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folgren

Aachen, Deutschland
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5 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.04.2011

Überall gibt es eine Kanalisation

"Es" wird von vielen Stephen-King-Fans als das beste seiner Bücher angesehen. Auf über zwölfhundert Seiten bietet der Roman alles, was das Stephen-King-Country ausmacht. Nach 27 Jahren versetzt "Es" sieben Freunde in Angst und Schrecken. Als das Grauen wieder auftritt, erinnert es sie an ein Versprechen, dass sie sich gegeben haben. Sie alle vereint von Jugend an, dass sie mit einem Handikap durchs Leben schreiten. Vom Stotterer über den Brillenträger, der falschen Religion bis hin zum Übergewicht. King erzählt ausführlich vom Leben. Das macht seine Bücher oft so dick. Er bietet seinen Helden Platz, um von sich zu berichten, so dass ihre Reaktion nach 27 Jahren als Erwachsene folgerichtig erscheint. Aus dem Stotterer wird ein Schriftsteller. Aus Beverly eine Frau, die sich von ihrem Mann erniedrigen und schlagen lässt. Der Limousinenbesitzer führt eine Ehe, in der er das Leben mit seiner Mutter gegen das mit einer Ehefrau eingetauscht hat, die sich an ihn klammert. Sie scheinen alle, aus ihrem Leben flüchten zu wollen, aber können es nicht. Das falsche Leben im richtigen. Einer wird es gar nicht schaffen, er begeht lieber Selbstmord, als sich dem Grauen erneut zu stellen. Kings zentrales Thema sind die Lebenslügen. Der Schrecken, der Horror, der plötzlich auftaucht und alles verändert, reißt sie nur ins Rampenlicht der Ereignisse. Die Guten wachsen über sich hinaus und die Bösen verfallen ihren Abgründen. Das "Es" in der Kanalisation haust und wie der Clown von McDonalds ausschaut ist von augenzwinkernder Ironie. King besitzt genug Abstand zu seinem Horror, dass er über sich selbst lachen kann. David Nathan soll übrigens nach über 51 Stunden Hörbuch noch nicht die Lust an weiteren Langstrecken verloren haben. Seiner Ausdauer verdanken wir es, dass wir kein dickes Buch mit uns herumschleppen müssen.

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87 von 95 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

4 out of 5 stars

Rezensiert am: 31.03.2011

Im Schatten leben

Gestern noch war alles perfekt. Edward Hunter war glücklich verheiratet und selbst den dunklen Vaters schien er soweit aus seinem Leben gebannt zu haben, so dass er ein beschauliches Leben führen konnte. Wäre da nicht die Stimme in ihm, die ihn in der Bank dazu auffordert, eine Frau vor der Geiselnahme zu retten, was zu der Katastrophe führt, dass seine eigene Frau erschossen wird. Edward Hunter hat es nur gut gemeint. Er wollte Zivilcourage beweisen und muss seit diesem schicksalhaften Tag mit dem Vorwurf leben, dass seine Frau noch am Leben wäre, wäre er nicht eingeschritten. Was hat es mit dieser Stimme auf sich, die sich im Nachhinein immer wieder meldet, ihn zur Rache anhält, ihm in ausweglosen Situationen, wo er selber dem Tod ins Auge blickt, zur Seite steht? Edward Hunter wird sich im Verlauf der Geschichte schuldig machen, seinen Vater aufsuchen, als seine Tochter von den Bankräubern entführt wird, und ausgerechnet ihn um Hilfe bitten. Dem 1974 in Neuseeland geborene Paul Cleave gelingt es in "Der Tod in mir" nicht die übliche Massenware abzuliefern, bei der innere Dämonen unschuldige Menschen zu perversen Taten drängen. Cleave erzählt von der beklemmenden Angst die Edward Hunter befällt, nachdem er alles verloren hat. Von dem inneren Kampf nicht so wie sein Vater zu sein. Hunter wird umhergetrieben, kommt nicht zur Ruhe und das bittere Ende, das sich ihm eröffnet, verschuldet er wiederum selbst. Cleaves Thriller ist gelungene Spannungslektüre, bei der die Wendungen nicht vorhersehbar sind, erinnert im Ausloten des seelischen Abgrundes an John Katzenbachs "Die Anstalt". Auch wenn Edwards Wahnsinn sich nicht hinter geschlossenen Mauern austobt, sondern vielmehr den Weg nachweist, wie man draußen außer sich selbst geraten kann.

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3 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

2 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.01.2011

Kennen wir schon

Dass Ken Follett sich gerne der Historie bedient, um ein Familientableau aufzuziehen, dürfte bekannt sein, und führt bei den gelungenen Romanen dazu, dass er einen unterhaltsamen Schmöker schreibt, bei dem man sich nicht nur die Zeit vertreibt, auch mitunter etwas übers Mittelalter oder die Spionage erfährt. Wenn er sich also dem ersten Weltkrieg zuwendet, hofft man auch hier die Jahre zwischen 1914 und 1918 an persönlichen Schicksalen gespiegelt zu sehen. Leider holt der Autor diesmal von der Welt der Bergarbeiter in Wales bis hin zum Wehwehchen russischer, wie englischer Ladys und den Intrigen des europäischen Ränkespiels so boulevardesk aus, dass trotz aller überstürzender Ereignisse vor allem eins aufkommt: Langeweile. Wie der Aufguss bei einem weiteren Saunagang treffen wir wieder auf die ungleichen Brüder, auf die unglückliche, heimliche Liebe, auf falsche Anschuldigung angesichts eines Geschlechtsakts, Gier, Neid und politische Machtspiele. Einzig die Schilderung der Grubenarbeit unter Tage in Wales vermag zu Anfang Brisanz aufkommen lassen, sobald sich die Geschichte jedoch in die Welt der Diplomatie vor dem 1. Weltkrieg verlagert, gar den Ereignissen während des Krieges zuwendet, rutscht sie ins Plakative ab. Heimliche Heiraten, wie die Stereotypen von Verrat und Niedertracht gepaart mit drei Familiengeschichten, - in denen sich fein säuberlich die Guten von den Bösen scheiden - mag den Anspruch eines Opus Magnum erheben, doch fehlt allem ein Kern, der einen ins Zentrum zieht, statt mit möglichst sich überbietenden, neuen, überraschender Wendungen an der Peripherie für Tempo zu sorgen. Den ersten Weltkrieg zu schildern, ist schon ein Unterfangen erster Güte, ihn sich aber gleich von mehrerer Seiten zu nähern, bedeutet Gefahr zu laufen, sich zu verzetteln. Es genügt nicht, sich mit einem bewährten Schnittmuster ein Thema einzuverleiben, wenn man nicht immer wieder dasselbe schreiben will.

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6 von 9 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

4 out of 5 stars

Rezensiert am: 23.09.2010

Im Gewächshaus

Stephen King mag es beschaulich. Er zieht die Biographien seiner Helden wie Pflanzen groß. Der Kosmos der Abgründe findet sich in Nachbarschaften, Freundschaften, Ehen, nicht selten tragen Kinder den Schrecken in die Welt. Eine Kuppel, die das Leben hermetisch gegen jeden Einfluss von außen abschirmt, ist nicht neu. Bei Marlen Haushofer war es eine Wand, die eine Frau von der Außenwelt abschloss. Nichts anderes geschieht in "Die Arena". Egal ob das Militär einen Irak-Veteran als Kontaktmann reaktiviert, der bereits zuvor in Chester Mill als Außenseiter gilt, egal, ob es eine Handvoll aufrechter Bürger gibt, die gegen das sich ausbreitende Unrecht aufbegehren, den Horror tragen die Bürger von Chester Mill in sich. Es ist fast biblisch wie King den Untergang so ansetzt, dass er unumgänglich erscheint. Wusste nicht jeder längst, dass der Autohändler Big Jim skrupellos war und notfalls über Leichen ging? War nicht allen bekannt, dass sie unter lauter Kleinbürgern lebten, deren Herzen eng werden, wenn sie in Bedrängnis geraten und die Schuld am liebsten anderen in die Schuhe schieben. Das Kammerspiel des alltäglich Wahnsinns, der zumeist ohne Schaden einher geht, in Extremsituationen jedoch sein gefährliches Potential zeigt, wird einmal mehr von King zu einer groß angelegten Häutung aufgebaut, die uns ähnlich wie in „Needful Things" vor Augen führt, dass es nichts nützt, in die Idylle zu flüchten, die Decke über den Kopf zu ziehen. Es sind die Menschen - man selbst - die die Hölle in sich tragen. Womit King Sartre widerlegt, der behauptet hat: "Die Hölle, das sind die anderen". 41 Std. und 10 Min., die einem mit David Nathan als Sprecher nicht langweilig werden. Selbst wenn King seinem Hang zur Detailfülle, dem kalkulierten Schrecken huldigt. Schließlich stecken wir längst in unserer Arena fest, eine Kuppel braucht's dafür nicht.

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2 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

3 out of 5 stars

Rezensiert am: 31.05.2010

Im Dunkeln sehen

Diesmal läuft nicht nur die Zeit ab, auch die Kapitel laufen rückwärts, und zu Anfang jeden Kapitels informiert uns Sebastian Fitzek über die Restzeit, die bleibt. Eine Sanduhr läuft ab. Nicht zum ersten Mal widmet er sich dem Verschwinden eines Kindes. Wir sollen uns ohnmächtig fühlen, die Hilflosigkeit uns gruseln. Der Psychopath entfernt den Kindern, nachdem er die Mütter getötet hat, ein Auge. Die Väter sollen sie finden. Kinder aus zerrütteten Familien, Nachkommen, zu denen nicht gestanden wurde. Fitzek weiß, seine Thriller zu vernetzen. Diesmal untermauert er das Verbrechen gar mit der griechischen Mythologie. Wenn eine halbverweste, eingeschweißte Frau im Keller gefunden wird, zieht er den Bogen nahe an den Splatter heran, um die Erwartungen an ihn als einen versierten Thrillerautoren zu erfüllen, der das Entsetzen in die Köpfe seiner Leser hineinzutragen versucht. Was Fitzek allerdings dazu veranlasste, ausgerechnet eine blinde Psychotherapeutin einzubauen, die in die Vergangenheit sehen kann, mag sein Geheimnis sein. Alina Gregoriev, deren Visionen vor allem auftauchen, wenn ihr Schmerzen zugefügt werden, ist ein allzu knarrendes Scharnier, das Licht ins Dunkle bringen soll. Fitzek recherchiert das medizinische, wie psychoanalytische Umfeld seiner Fälle genau. So rückt er in „Der Augensammler" eine Figur in den Mittelpunkt, die in der Hetze um sie herum, wie ein in sich gefangener Ruhepol wirkt. Leider erscheint Alina an manchen Stellen allzu bewusst eingesetzt. Als sei die eigentliche Plot um sie herum gebaut worden. Augen werden herausgestochen, eine Blinde tritt wie eine bessere Miss Marple auf und ein verkappter Journalist gerät in Mordverdacht - die Amerikanisierung der Thriller des Sebastian Fitzeks schreitet weiter voran.

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8 von 19 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

3 out of 5 stars

Rezensiert am: 14.05.2010

Nell und das geheime Buch

Tarantino des Cyberpunk wird Neal Stephensons von der Kritik genannt - wenn das keine Auszeichnung ist. Allerdings brilliert der Autor weniger durch rasante Schnitte und überzeichnete, groteske Gewalt, als durch einen reichhaltigen Erfindungsreichtum, was aus der Welt wird, wenn sie erst mal unser Zeitalter verlassen hat. Da werden vor der Theateraufführung die Rollen ausgelost, Schauspieler mittels Teleprompter in die Lage versetzt, alles zu spielen, das Entertainment auf die nächste Stufe geführt, indem jede Welt zu jederzeit aus der Schublade herausgezaubert werden kann. Und damit das alles bezahlbar ist, werden Kreditkarten unter die Haut so nah wie möglich auf den Knochen implantiert, um möglichst ständig auf Empfang zu sein. Was im Gegensatz zu Tarantino natürlich der Beschreibung bedarf, worunter die Spannung leidet. Die Welt bleibt trotz allem Fortschritt in Arm und Reich getrennt. Die Kinder aus "gutem Haus" sind auch hier bei ihrem Start ins Leben bevorzugt. Trotz allem Hightech ist es ein Buch, das ein Mädchen in Lage versetzt, klüger als andere zu werden. Obwohl der Autor einem archaischen Mittel vertraut, steckt dahinter nichts anderes als ein Nano-Computer. Eine recht dürftige Kriminalgeschichte spult sich ab. Für Stephenson-Fans kommt es auf den Krimi nicht in erster Linie an, sie wollen in das 22. Jh. eintauchen. Sie dürften nicht enttäuscht werden. Liebhaber von Spannungsliteratur hingegen erfreuen sich höchstens an den Rätsel, die in abgewandelter Manier á la Dan Brown den Leser herausfordern. Ein Hörbuch für Fantasy-Liebhaber, die an Nanotechnologie interessiert sind.

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1 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

4 out of 5 stars

Rezensiert am: 07.12.2009

Aus Zahlen gemacht

Was für ein Vorhaben. Fast 48 Stunden. Man könnte also hingehen und zwei Tage lang ohne Schlaf ein Hörbuch hören. Audible.de setzt damit seinem Bestreben, Hörbücher ungekürzt zur Verfügung zu stellen, die Krone auf. Ideal für Fernfahrer, Triathleten, Menschen, die an Schlafstörungen leiden oder am liebsten die Welt um sich auf Distanz halten. Ernsthaft: man kann Cryptonomicon von Neal Stephenson auch scheibchenweise hören, und miterleben, wie sich mittels Verschwörung in der Vergangenheit die Gegenwart beeinflussen lässt. Der in Seattle lebende Autor schreibt Science-Fiction-Romane. Für Cryptonomicon benötigt er keine erfundenen Welten. Er geht bis in den zweiten Weltkrieg zurück: Ein Mathematiker, ein Analytiker und ein süchtiger Marine, wenn das keine Mischung ist, um Kodes zu knacken. Zwar erinnert der Teil des Plots an Harris "Enigma", doch ist er viel ausgefeilter, zuweilen langatmiger in den ausschmückenden Details, allerdings nicht allein etwas für Spezialisten, die in der Schule sowieso immer mit mathematischen Rätseln ihre Freude hatten. In der Vergangenheit will man den Krieg gewinnen, am besten, indem man weiß, was der Gegner denkt, plant, um ihm einen Zug voraus zu sein. Das eigentliche Abenteuer der Gegenwart besteht natürlich in einem sagenhaften Schatz. Von den Nazis angelegt. Das riecht nach Indiana Jones, ist jedoch weitaus ausgeklügelter, indem ein Datenversteck, ein U-Boot, die IT-Welt mit ihren munteren Technik-Freaks eine Rolle spielen. Ein Hörbuch, das nicht wie bei Dan Brown der Entschlüsslung alter Zeichen nachhängt, sich vielmehr der komplexen Welt des 21. Jahr. stellt, in dem unser Alltag immer mehr von virtuellen Welten geprägt wird.

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12 von 15 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

3 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.11.2009

Harte Männer, verzweifelte Frauen

Keine Frage ein Mann kann den Reizen einer Frau erledigen. Vor allem, wenn sie Gefahr läuft, ihr Gesicht von einem Fiesling verätzt zu bekommen. Max Phillips Hörbuch Tödliches Blond weist bereits im Titel daraufhin, dass es bei der Leidenschaft dieser Frau nicht gut ausgehen kann. Gangster, Prostitution, billige Sex-Filmchen liefern das Ambiente, in dem Ray Corson Rebecca trifft, die ihn gegen Bezahlung um Hilfe anfleht. Corson gerade seines Jobs durch einen zahlungsunwilligen Arbeitgeber beraubt, ist nicht abgeneigt, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden. Frei nach der Ballade vom Fischer: "Halb zog sie ihn, halb sank er hin.", bewegt sich Corson durch Lügen und Halbwahrheiten und bemüht sich, den Kopf hochzuhalten, indem er sich mal der einen Seite, mal der anderen anbietet und zwischendurch für Gerechtigkeit sorgt. Selten war ein Hörbuch der Hard Case Crime Collection so bieder Hard Boiled wie das von Phillips. Er bedient so manches Klischee männlicher Phantasie und erweist sich nicht gerade als Sprachgenie. Das hat man alles irgendwie schon mal gehört. In den Vierzigern, den Fünfzigern. Die Männer sind aus Stahl, verkommen, dumm, brutal erfolgreich. Jeder ist auf der Suche nach dem schnellen Dollar. Wer so blanke Geschichten ohne ironischen Bruch mag, wird seine Freude an Tödlich Blond haben. Auch wenn sie vorhersehbar ist. Armes Mädchen vom Land, kommt in die große Stadt und gerät in die falschen Fänge. Eigentliches Raubein, für die Liebe empfänglich, gerät in Gefahr verraten und verkauft zu werden. Glatt tödlich halt.

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1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

3 out of 5 stars

Rezensiert am: 28.10.2009

Geschichtsstunde

Der 1947 in Ohio geborene John Maddox Roberts kennt sich im antiken Rom aus. Bereits in seinem ersten Kriminalroman der Reihe um Decius Caecilius Metellus beschreibt er in breiten Panoramabildern Rom um die 70 v. Chr. Detailgetreu bringt er seinen Zuhörern das Leben der damaligen Zeit nahe. Angelegt als Geschichtskrimi, der Brandstiftung wie Mord in den Mittelpunkt rückt, ist es Roberts eigentliches Anliegen eher eine versunkene Welt aufleben zu lassen. Das Schicksal der Freigelassenen, der Sklaven zeichnet der Autor ebenso umsichtig nach wie die Intrigen und den ausgeprägten Überlebenssinn des Adels. Selbst Julius Cäsar tritt bereits auf. Allerdings steht er erst am Anfang seiner Karriere. Der korrekte Umgang mit der Geschichte ist Maddox wichtig, sein Plot leidet zuweilen an der mäßigen Spannungssteigerung. Erst muss das ein oder andere Detail geklärt werden, bevor der Suspens greifen darf. Wer Robert Harris "Imperium" und "Pompeji" kennt, weiß, wie man beides geschickt miteinander verstrickt. So ist Senatus Populus Que Romanus vor allem ein Hörbuch für jemanden, der sich gerne mit Historienromanen beschäftigt, weniger etwas für Liebhaber von Thrillern. Roberts ist ein Vielschreiber. Bisweilen sind in der Reihe 13 Romane um Decius Caecilius Metellus erschienen. Außerdem gibt es eine Sturmlandsaga, eine Reihe Krimis um Gabe Treloar.

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26 von 37 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars

Rezensiert am: 20.10.2009

Nur ein Stück Land

Wer einen Betrug plant, sollte Lawrence Blocks Hörbuch „Falsches Herz" sich anhören. Er wird schnell bemerken, dass so ein Unternehmen einer umfänglichen Planung bedarf und nicht ohne jahrelange Erfahrung als Kleinkrimineller vonstatten geht. Minutiös zeichnet Block die einzelnen Schritte, die feine Psychologie dahinter, das Einfühlvermögen nach, das einen Betrug in solchem Ausmaß überhaupt erst möglich macht. Bloc gehört zu den Altmeistern der Krimiliteratur. Er kennt sich mit den Abgründen seiner Helden aus. Wenn es um die Liebe, das Spiel, die Gier geht, versteht er es, die Verstrickungen so fein auszulegen, dass man lange Zeit verwundert ist, warum das Leben nicht so einfach sein kann. Es gibt da eine Bar, die Johnny Hayden erwerben und zu neuer Blüte bringen will, nur fehlt ihm das Geld dazu. Er müsste neun Jahre seine Ersparnisse zur Seite legen, um ihr Besitzer zu werden. Und es gibt den alten Kumpel Doug Rance mit dem genialen Coup. Was liegt näher, als dass die beiden sich zusammen tun und einem gierigen Immobilienhai wie Wallace Gunderman sein Geld zu entlocken versuchen. Es ist die Atmosphäre der Fünfziger, frühen Sechziger Jahre, die die Szenerie prägen. Dass keine der Seiten eine reine Weste vorzuweisen hat, gehört zur Grundausstattung des Hard Crimes. Die Welt ist zum Überleben da. Dass Betrüger durchaus zu Betrogenen werden können, beschreibt Block mit einem Augenzwinkern in dieser sich langsam entwickelnden Geschichte, die ihren Helden vor allem Geduld aufnötigt. Ein hörenswertes Buch, auch wegen Stephan Bensons Stimme, die sich einfühlsam der jeweiligen Seiten andient. Falsches Herz ist auch eine Geschichte darüber, inwieweit man der Liebe vertrauen soll und wie bereitwillig man blind in eine Falle tappt. Fast so wie im richtigen Leben. Doch davon lesen, hier hören wir lieber.

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6 von 6 Hörern fanden diese Rezension hilfreich