PROFIL

Martina Arnold

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5 out of 5 stars

Rezensiert am: 29.03.2018

Faszinierend

Isabel Allende schreibt in "In the Midst of Winter" über das zufällige Zusammentreffen von drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Die Hauptperson, Lucia Maraz, ist Gastdozentin an einer New Yorker Universität und kommt aus Chile. Ihr Vermieter, Richard Bowmaster, lehrt ebenfalls an dieser Universität und meidet Lucia, wann immer er ihr begegnet. Beide sind in den Sechzigern. Inmitten des größten Schneesturms, den Brooklyn je erlebt hat, rammt Richard ein Auto, dessen junge Fahrerin Emely Ortega ihn kurz darauf um Hilfe bittet. Alle drei machen sich auf eine ungewöhnliche Reise.
Was das Buch so unglaublich spannend macht, sind die Lebensgeschichten der drei Protagonisten. Ich las bzw. hörte mit angehaltenem Atem die Fluchtgeschichte von Emely, die ganz ursprünglich aus Guatemala kam. Hoch aktuell beschreibt Allende das Leben von Migranten und deren Flucht aus ihrem Heimatland. Selbst dem größten Gegner der Migration in Europa sollte bei dieser Beschreibung ein Herz aufgehen. Und so ganz nebenbei lernt der Hörer bzw. Leser viel über fremde Kulturen, in denen auch ein Stück Mystik steckt.
Ich liebe Isabel Allende und ich lese ihre Bücher mit großer Ehrfurcht und Begeisterung. "In the Midst of Winter" steckt, wie alle ihre Bücher, voller Wärme, Liebe und Lebenslust. Natürlich und auch typisch für Allende gibt es am Ende ein riesengroßes Happy End.
Alle drei Sprecher leben ihre Charaktere. Insbesondere hat mich Alma Cuervo beeindruckt. Sie spricht mit einem leicht lateinamerikanischem Akzent, der den Charakter des Buches noch einmal hervor hebt.
Mittlerweile habe ich einige Bücher von Isabel Allende gelesen bzw. gehört, und natürlich bin ich unwahrscheinlich beeindruckt von ihrem "The House of the Spirits". Aber auch diese kleinen leisen Bücher sind Juwelen in der Literatur.

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1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars

Rezensiert am: 13.03.2018

Geballte chilenische Geschichte in 19 Stunden

Was für ein Buch! Und was für eine Frau! Am Ende hat es mich umgehauen. Isabel Allende hat in diesem Buch das Land Chile kurzerhand an einen fiktiven Ort verpflanzt. Ohne den Namen des Staates zu nennen, hat sie die chilenische Geschichte in einem Buch erzählt, beginnend mit dem vier Generationen in der Vergangenheit lebenden Urgroßvater Marco, der Magier, der Familie Trueba/del Valle bis hin zur Wahl Salvadore Allendes zum Präsidenten Chiles, seinem Tod und der danach herrschenden Milität-Junta. Ob oder dass Salvadore Allende sich selbst getötet hat, lässt sie offen. Aber sie erzählt anhand dieser Familiengeschichte die Sehnsucht der Chilenen nach Freiheit und Selbstbestimmung. Der Trueba-Teil der Familie stammt ursprünglich aus armen Verhältnissen. Die männliche Hauptfigur, Esteban Trueba, arbeitet in den Goldminen, kommt zu Vermögen, baut die herunter gekommene Hacienda Las Tres Marias wieder auf und heiratet in die reiche Familie del Valle. Seine ursprüngliche Verlobung mit Rosa, der schönsten Tochter der Familie, findet ein jähes Ende durch den Tod Rosas. Sie fällt einem ihrem Vater geltenden Vergiftungsanschlag zum Opfer. Ihr Vater war Politiker. Um das Versprechen seiner sterbenden Mutter gegenüber einzuhalten, heiratet Esteban die Schwester Rosas, Clara, die hellseherische Fähigkeiten hat.
Was soll ich weiter zum Inhalt sagen? Man muss das Buch gelesen haben, um zu verstehen, was für ein brilliantes Werk es ist. Allende erzählt souverän und wissend. Obwohl sie jegliche Parteinahme unterlässt, ist klar, auf wessen Seite sie politisch steht. Wenn man dem Text lauscht, bekommt man das Gefühl, verzaubert zu sein. Trotz äußerlich verworrener Familiengeschichten hört man mit Spannung zu und fühlt sich in die chilenische Welt versetzt, in das Land und in die Menschen, deren Lebens- und Denkweise. Zeitweilig hatte ich das Gefühl, Chile sei ein weit fortschrittlicheres Land als Deutschland, weil neues politisches Gedankengut viel schneller Fuß fast.
Isabel Allende erzählt vor allem warmherzig und bringt jeden Leser oder Hörer in ihren Bann. Ich hatte bereits vorher Bücher von ihr gelesen, aber ein richtiges Gefühl für den Menschen Isabel Allende hat sich erst hier entwickelt.
Thom Rivera und vor allem Marisol Ramirez erzählen genauso warm, wie Allende das Buch geschrieben hat. Obwohl ich teilweise auch das Gefühl hatte, die Story wird nur abgehandelt, passt das genau zum Schreibstil Allendes.
Isabel Allende ist es immer wert, gelesen zu werden. In diesem Buch hat sie meine Begeisterung zu den Chilenen großes Interesse in deren Geschichte geweckt. Und es ist ein Buch über starke Frauen.

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1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars

Rezensiert am: 13.03.2018

Mystisch und viel Zauberei

"The Hush" ist ein wunderbares Buch. Wunderbar zum einen bezüglich des Schreibstils und zum anderen bezüglich des Inhalts der Erzählung.
Johnny lebt auf einem 6000 Acker großem Stück Land, das zu Zeiten seines Urgroßvaters von ehemaligen Sklaven bewohnt wurde. Sein Urgroßvater, auch ein John, ließ die Sklaven frei, weil er einen Packt mit einer damals als Hexe geltenden Sklavin einging. Heute ist das Land verwunschen, es geschehen unheimliche Dinge und es herrscht die Dunkelheit. Familien, die darauf wohnen, leiden unter unendlichem Hunger. Das mit Moor durchzogene Land gehört Jonny. Es gibt jedoch eine junge Frau, die ebenfalls Anspruch darauf erhebt.
Ganz langsam entwickelt John Hart die Geschichte dieses Flecken Erde und damit die Geschichte von Jonny's Familie und die der Sklaven, denen das Land kurzzeitig gehörte.
Mir war es jedoch nicht möglich, dieses Buch langsam zu lesen und zu hören. Die Story ist so fesselnd, der Stil ist so brilliant und das Stück amerikanische Geschichte der Südstaaten ist so packend, dass das Hören zu einer Sucht wird. Es ist das erste Buch von John Hart, das mit soviel Mystik aufwartet. Anfangs wollte ich nicht glauben, dass es tatsächlich mystisch wird. Aber und ob!
Die Stimme von Jeremy Bobb empfinde ich als sehr angenehm. sie passt genau zu der Geschichte und man merkt, er steht hinter dem Buch.
Diesen ganzen Text hätte ich auch viel kürzer formulieren können: Ich habe einen neuen Lieblingsschriftsteller!

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1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

4 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.10.2017

Viel zu kurz

Dieses Buch ist viel zu kurz, um sich richtig entfalten zu können. Es ist ein gutes Buch, allerdings völlig untypisch für Stephen King. Ich bin davon überzeugt, hätte er es allein geschrieben, wäre es besser geworden. Außerdem denke ich, dass ich die Unterschiede im Schreibstil raushöre. Das mag Einbildung sein, aber man kennt so seine Lieblinge!
Gwendy lernt mit Hilfe der Button Box, die ihr ein geheimnisvoller Fremder an der Spitze der Suicide Stairs, also auf Castle View, schenkt, dass sie ihr Leben aus eigener Kraft in den Griff kriegen kann.
Ohje, dieser Satz eben ist so verschachtelt und enthält dabei nicht einmal das wichtigste Detail. Die Frage ist doch, wo liegt Castle View? Die Antwort ist: In Castle Rock! Zumindest in diesem Fall sind wir "back to the roots". Was mir sehr gefällt. Aber irgendwie kann ein guter Schriftsteller nicht immer nur anderen helfen, das Schreiben zu lernen. Denn dadurch verliert er seine "Constant Readers", wie King sie, also uns und mich, selbst bezeichnet.
Maggie Siff dagegen ist genial. Mir gefällt ihre Erzählweise vor allem deshalb, weil sie nicht in diese unglaublich hohen und kreischenden Töne verfällt, in die englisch-sprachinge Vorleserinnen oft verfallen.
Naja, und Stephen King?
Es kommen wieder bessere Zeiten!

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2 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.10.2017

Ergreifend!

Ich habe einen neuen Lieblingsschriftsteller! John Hart war mir bisher völlig unbekannt und jetzt habe ich alle seine Bücher gelesen bzw. gehört und die nächste Neuerscheinung vorbestellt.
Eine Kleinstadt liegt, wie immer bei John Hart, an einem berauschenden Fluss in North-Carolina. Polizistin Elisabeth Black wurde im Haus ihres Vaters groß, der als Pfarrer arbeitet und diesen Beruf mit Leidenschaft ausübt. Etwa zur gleichen Zeit wird ihr erster Partner, Adrian Wall, aus dem Gefängnis entlassen, in dem er 13 Jahre unschuldig saß. Adrian und Elisabeth sind gute Cops, und obwohl sie einander kaum kennen, gehen sie auf einander zu. Und zwar, um gemeinsam das Verbrechen aufzuklären, wegen dem er unschuldig im Gefängnis saß. Im Gefängnis hat Adrian diesbezüglich sehr viel und noch mehr gelernt. Mehr kann ich hier nicht verraten, ausser vielleicht, dass ein kleiner Junge noch eine große Rolle spielt.
Das Buch ist hart, es herrscht eine unglaublich düstere Athmosphäre und es werden Abgründe aufgezeigt, von denen ein Mensch lieber nichts wissen will.
Manchmal schreibt Hart aber auch haarscharf am Kitsch vorbei und drückt unnötig auf die Tränendrüse. Deshalb gebe ich der Geschichte einen Punkt Abzug. Was bleibt, ist ein unglaublich fesselndes Buch, das einen lange nach seinem Ende verfolgt.
Scott Shepherd liest das Buch unglaublich gut. Seine Stimme hat den zur Story passenden Sing-Sang, und ich bin froh, dass er auch die anderen Hörbücher von John Hart liest.
Also: Hören!!!!!

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1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.10.2017

Ganz fern, und doch nah!

Ich habe noch nie eine so bombastische Erzählung über die Sklaverei gelesen. Das Buch beginnt mit der urplötzlichen und für die Betroffenen absolut überraschenden Festnahme von Afrikanern, die anschließend in den Bauch eines Schiffes verladen wurden und dort unter unglaublich bösartigen Bedingungen festgehalten, aneinandergekettet und spärlich mit Wasser und Brot versorgt wurden und immer noch nicht wussten, was ihnen geschieht. Vergleiche mit einer Kreuzfahrt von heute sind da absolut fehl am Platz.
Zunächst wird das Leben von versklavten Afrikanern in der dritten Generation auf einer Baumwollplantage im Süden der USA geschildert. Man fragt sich hier immer nur, ob die damaligen weißen Bewohner der Vereinigten Staaten tatsächlich Menschen waren, denn Menschen sollten zu diesen Greueltaten, die da passierten, nicht in der Lage sein. Leider wissen wir, dass es diese Menschen gibt, obwohl alles dagegen spricht, sie Menschen zu nennen.
Unter den Sklaven gab es Rumore über eine Untergrundbahn, die flüchtige Arbeiter auf Umwegen in den zivilisierten Norden brachte. Whitehead beschreibt diese Wege in seinem Buch als tatsächliche Untergrundbahnen. In der Realität handelte es sich um ein Nachrichtennetz unter freien Afrikanern und sympathisierenden Weißen, um Menschen, die der Sklaverei ein Ende setzen wollten. Der Weg in die Erlösung war weit, lang und mit vielen Fallstricken gepflastert. So landet die Titelheldin Cora zunächst in einer sehr Schwarzenfreundlichen Stadt. Später stellt sich raus, dass hier fieberhaft an der Erforschung der Sterilisierung und an ihrer Durchführung an schwarzen Frauen geforscht wurde. Das sollte verhindern, dass aus einer willkürlichen Verbindung weißer Männer mit schwarzen Frauen Babys geboren werden können. Unfassbar!
Ich denke, dass Colson Whitehead in seinem Buch "Underground Railroad" ein Denkmal für Harriet Tubman setzen will. Auch wenn seine Titelheldin Cora nicht die gleichen Wege geht wie Harriet Tubman, wurde sie genau wie die unvergessene Harriet eine engagierte Führerin der Underground Railroad und verhalf damit unzähligen Menschen den Weg in die Freiheit. Ich habe auch gelesen, dass der Gospelsong "Go down Moses", in dessem Text Gott Moses befiehlt, sein Volk aus Ägypten rauszubringen, eine Art Codewort zwischen den Leuten der Underground Railroad und den fluchtwilligen Sklaven war.

Helene Grass liest das Buch sehr distanziert und findet damit den einzigen Weg, den Leser nicht pausenlos heulen zu lassen. Ich finde, besser kann man es nicht machen.
Dann allerdings, am Schluss, lässt sich keine Träne mehr festhalten!

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5 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.10.2017

Meine neue Liebe!

Ich weiß nicht, warum ich Salman Rushdie früher nie gelesen habe. Ich glaube, ich dachte, das ist zu schwere Literatur. Und zu politisch. "Golden House" ist für mich das zweite Hörbuch von Rushdie, und nun habe ich tatsächlich eine neue Liebe gefunden. Das erste Buch war " Two Years, Eight Month and Twentie-Eight Nights", und danach habe ich mich schon gedrängt gefühlt, unbedingt eine Rezension zu schreiben. Das Buch ging mir sehr nahe. Nach dem Hören von "Golden House" habe ich mich, wie gesagt, neu verliebt.
Rushdie schreibt über eine Familie, die aus einem unbekannten Land aus einer unbekannten Stadt, deren Namen niemals wieder genannt werden dürfen, nach Amerika kam. In einem reichen New Yorker Viertel lebend, gab sich diese Familie einen neuen Namen und alle vier Familienmitglieder suchten sich ebenfalls neue Vornamen aus der Zeit des alten Roms aus. Wir hören die Geschichte aus der Perspektive des Ich-Erzählers, der in der Nachbarschaft wohnt und gemeinsam mit Familie Golden die an mehrere Grundstücke grenzenden Gärten nutzt. Von ihm erfahren wir auch, um welches unbekannte Land und um welche unbekannte Stadt es sich handelt.
Während der Protagonist das Leben der Goldens schildert, rauscht er an vielen Orten und Ereignissen der jüngeren Vergangenheit vorbei, an die ich mich als Leser noch genau erinnern konnte. Rushdie endet mit fast tagaktuellen Nachrichten aus dem jetzigen Amerika. Besonders oft redet er von einer großen wuchtigen Person mit auffällig grünen Haaren und einem kirschroten Mund, der besonders viele propagandistische Reden schwingt. Wer das wohl sein mag?
Rushdie's Schreibweise mit den teils feinen, teils groben Bildern, die er malt und mit einem expliziten und doch subtilen Humor begleitet, erinnert mich an den Stil der großen alten Russen wie Dostojewski oder insbesondere Gogol. Und das nicht nur, weil er nachvollziehbar erklärt, wie die Babajaga von Russland nach Amerika kam und warum sie das First-Class-Fliegen in Flugzeugen dem Reisen auf Hühnerbeinen oder gar auf Besen vorzieht.
Und denjenigen, die behaupten, das Buch bestehe aus langgezogenen, langweiligen Monologen, denen kann ich nur sagen, dass ich mich während des Autofahrens krampfhaft am Lenkrad festhalten musste, weil ich mir meine Lachanfälle während dieser Monologe nicht verkneifen konnte. Ohne Simon Jäger wäre das wohl nicht so gut gelungen. Er hat gesprochen, als käme der gesamte Text aus Salman Rushdie's Herzen.
Ich habe irgendwo eine ganz knappe Rezension über dieses Buch gelesen. Sie lautete:" Gebt dem Rushdie einen Nobelpreis". Dazu kann ich nur sagen "....oder den Pulitzer Preis!".

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19 von 22 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

4 out of 5 stars

Rezensiert am: 08.07.2017

Ein Buch aus einer anderen Welt

Ich stamme aus der ehemaligen DDR, und vieles an dem Buch kommt mir bekannt vor. Die strengen militärischen Regeln, die Erziehung der Kinder, die Basis "Rote Erde" und wie die Menschen da leben und arbeiten, und die Theorie, es gehe nicht um den einzelnen, sondern um das Kollektiv. Dieser Aspekt des Buches ist sehr rot und es sind für mich keine guten Erinnerungen.
Was mir überaus gut gefällt, ist die Verbindung von außerirdischen Wesen mit dem Computerspiel, in dem hochrangige Wissenschaftler den Ernstfall proben können. Denn nachdem von China aus Botschaften ins All gesendet wurden, bekamen die Menschen tatsächlich Antworten aus einem nahe gelegenem Sonnensystem. Nur diese Antworten bedeuten, dass die Menschheit für immer zerstört werden wird. Die naheliegendste Folge an Reaktionen auf der Erde ist die Bildung von Gruppen für und gegen die Landung der Außerirdischen auf der Erde, und natürlich bilden sich innerhalb dieser Gruppen auch wieder Gruppen und Untergruppen. Wie die Menschen zur Invasion der Aliens stehen, wird in dem bereits genannten Computerspiel heraus gefunden.
Das Buch endet nicht mit der Auslöschung der Menschheit....

Mark Bremer fügt sich beim Vorlesen gut in die Handlung ei. Was mir bei ihm fehlt, sind ein bißchen Emotionen in der Stimme.

"Die drei Sonnen" ist ein intelligentes Buch, ein rotes und ein stark philosophisches Buch. Es kommt aus einer anderen Welt, weil die Lebensumstände, das politisch herrschende Regime und die gesellschaftlichen Strukturen ungewohnt sind. Vor allem am Anfang ist das Land noch stark sozialistisch ausgeprägt. In einer brutalen Welt werden Bücher verbrannt und großartiges Kulturgut wird zertört.

Alles in allem: Empfehlenswert!

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13 von 13 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars

Rezensiert am: 22.03.2017

Was für ein Buch!

Ich finde es unglaublich, dass ein Mensch so ein Buch schreiben kann. Es ist großartig, es ist weltumfassend, mitreißend, außergewöhnlich gut geschrieben und trifft jeden Leser mitten ins Herz.
Hanya Yanagihara schreibt über die Freundschaft von vier Männern, beginnend mit deren College-Zeit bis zum Tod von zwei von Ihnen. Jeder erzählt seine Geschichte, nach und nach hat der Leser ein vollständiges Bild von drei der Protagonisten, nur nicht von Jude. Jude's Geschichte kommt immer nur in kleinen Tröpchen ans Tageslicht. Und jeder Tropfen macht den Leser fassungsloser. Ich zumindest kam nicht umhin, über Jude zu weinen. Zunächst immer mal ein bisschen und am Ende herzhaft und fassungslos. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so viel Grausamkeit beschreibt und von so vielen menschlichen Abgründen erzählt. Es bleibt mir nichts als mich für meine eigene Spezies zu schämen und die zu verdammen, die so etwas tun können.
Anfangs habe ich mich mit Jude gestritten. Ich sagte ihm: Du hast alles, was ich nicht habe. Ehrliche Freunde, die sich um dich sorgen, ein erfolgreiches akademisches Berufsleben und später auch noch Eltern und einen unglaublich rücksichtsvollen Lebensgefährten. Aber klar, je mehr ich über Judes Vergangenheit erfahren habe, um so dümmer kamen mir meine Streitgespräche mit Jude vor. Eine zeitlang protestierte mein Inneres und sagte mir, so viel Leid in einer einzigen Person vereint gibt es in Wirklichkeit nicht. Und dann wurde mir bewusst, dass mein Denken naiv ist. Es gibt das Böse, und es konzentriert sich oft auf nur einen einzigen Menschen.
Ein Hoch auch auf Torben Kessler. Er liest das Buch perfekt. Die meiste Zeit gibt er sich einfach nur als Erzähler, und das ist gut so. Die Emotionen, die dieses Buch verursacht, kann man im Vorlesen nicht wieder geben. Sie sind zu stark.
Ich werde mir den Namen Hanya Janagihara unbedingt merken. Allerdings wird es noch eine ganze lange Weile dauern, bis ich mir so ein Buch wieder vornehmen kann. Noch verfolgt es mich in meinen Alpträumen.

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5 out of 5 stars

Rezensiert am: 13.09.2016

Eine großartige Geschichte

Ich habe mich bei "The Girls" dazu entschieden, das Buch in der deutschen Version zu hören. Daran ist allein Suzanne von Borsody schuld. Ich halte sie für eine sehr gute Schauspielerin und wollte wissen, wie sie sich als Vorleserin macht. Und ganz ehrlich, sie hat meine Erwartungen übertroffen! Jederzeit wieder, Frau von Borsody!

"The Girls" ist ein Stück Zeitgeschichte, meisterhaft von Emma Cline verarbeitet. Das Buch gibt die Lebensphilosophie der 1960ger Jahre wieder und erzählt über die Untaten von Charles Manson und seiner Sekte. Natürlich fällt dieser Name nicht, aber die Parallelen sind eindeutig. Evie Boyd verfällt als 14jährige der Sekte und insbesondere Suzanne, einer etwas ältere Frau, die ihrerseits dem Sektenführer Russell verfallen ist. Evie lebt mit den Mädels auf einer Ranch, die versteckt liegt. Mit ihr leben Frauen, Männer und Kinder. Letztere werden sich selbst überlassen, um ihre "freie" Entwicklung zu gewährleisten. Russel wird als eher unattraktiver Typ beschrieben und ähnelt dem äußeren Erscheinungsbild des Charles Manson. Obwohl Evie von Anfang an Zweifel kommen, schafft sie es zunächst nicht, sich von der Sekte zu lösen. Erst als ein grausames Ereignis geschieht, trennt sie sich zumindest körperlich. Innerlich schafft sie es auch als erwachsene Frau nicht, dauerhaft auf eigenen Beinen zu stehen.

Das Buch erzählt in Rückblenden Evie's Geschichte. Es ist erstaunlich, wie eindringlich, detailgetreu und überwältigend Emma Cline diese Zeit wiedergibt und verarbeitet.
Dieses Buch hat meiner Meinung nach so etwas wie den Pulitzer Preis verdient!

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2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich