Inhaltsangabe

Harper Lee hat bisher nur einen Roman veröffentlicht, doch dieser hat der US-amerikanischen Schriftstellerin Weltruhm eingebracht: "Wer die Nachtigall stört", erschienen 1960 und ein Jahr später mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen eines der meist gelesenen Bücher weltweit. Mit "Gehe hin, stelle einen Wächter" - zeitlich vor "Wer die Nachtigall stört" entstanden - erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen - bis es eine Freundin der inzwischen 88-jährigen Autorin im September 2014 fand.

In "Gehe hin, stelle einen Wächter" treffen wir die geliebten Charaktere aus "Wer die Nachtigall" stört wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, "Scout", kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Ein Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre, der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft. Bewegend, humorvoll und überwältigend - ein Buch, das seinem Vorgänger in nichts nachsteht.

Mit ihrer Stimme verleiht Nina Hoss dem literarischen Schatz von Harper Lee funkelnden Glanz.
©2015 / 2015 Harper Lee / Deutsche Verlags-Anstalt, München. Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann (P)2015 der Hörverlag
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Kundenrezensionen

Hilfreichste
5 out of 5 stars
Von Annette Am hilfreichsten 09.11.2015

der Wächter eines jeden Menschen ist sein Gewissen

Eine der kursierenden Geschichten um Harper Lees lange verschollenes Manuskript berichtet davon, dass sie den „Wächter“ 1957 beim Verlag einreichte, der Roman aber nicht angenommen wurde. Dies erscheint mir, im Licht des zu damaliger Zeit gesellschaftspolitisch brisanten Romaninhaltes nicht nur glaubhaft, sondern geradezu selbsterklärend.

Der danach erschienene bekannte Roman von Harper Lee „To kill a Mockingbird“ ist, ohne Frage und ganz zu Recht, ein literarischer Meilenstein und für viele Menschen eine Art Ikone der Weltliteratur. Doch hier wird das Thema Rassismus aus dem Blickwinkel der Kinder Jean Louise „Scout“ Finch und ihres Bruders Jem betrachtet. Dadurch bleiben die Ereignisse zwar in ihrem Schrecken bestehen, erscheinen jedoch etwas abgemildert durch die kindliche Sicht- und Erzählweise.

„Go set a Watchman“ jedoch, der einige Jahre vor dem „Mockingbird“ geschrieben wurde, handelt von einer erwachsenen Jean Louise, die nur für die Dauer eines Urlaubs aus New York in ihren Heimatort Maycomb zurückgekehrt ist. Die Themen „Rassismus“ und „Bürgerrechtsbewegung“ werden hier in aller Härte und Klarheit beschrieben und rigoros beim Namen genannt. Nina Hoss liest den Text dazu noch sehr souverän und eindringlich.

„Gehe hin, stelle einen Wächter“ erzählt von Traditionen, zweifelhafter Moral und Vorurteilen vor dem Hintergrund der amerikanischen Geschichte. Hetzer schüren die Angst der weißen „braven“ Südstaatenbürger vor der schwarzen Bevölkerung, was Vorurteile und Rassismus stärkt, während alle Helden aus Scouts Kindheit entzaubert werden. Sie selbst wiederum wird dabei zum Sinnbild der freien und fortschrittlichen Nordstaaten gegenüber ihrer alten Südstaatenheimat, die sich nicht von überkommenen Ansichten trennen kann und will.

Die sprachliche Kunstfertigkeit der Autorin ist in beiden Romanen gleich hoch, das braucht nicht extra betont zu werden. „Go set a Watchman“ ist, darüber hinaus, zwar ein wunderbarer, engagierter und couragierter Roman, der es jedoch wahrscheinlich nie zu dem Kultstatus gebracht hätte, den „To kill a Mockingbird“ bis heute genießt. Und das liegt, meiner Meinung nach, an dem besonderen Zauber, der dem uns zuerst bekannten Roman innewohnt und der ihn unsterblich und einzigartig macht.

Aber „Gehe hin, stelle einen Wächter“ kann einwandfrei als ergänzender zweiter Teil gesehen werden, hat einen ganz eigenen Reiz und ist erschreckend aktuell und noch immer brisant. Es reicht einfach nicht, gleiches Recht für alle „nur“ in der Verfassung festzuschreiben, solange die Verfassung nicht von der Gesamtheit der Bevölkerung verinnerlicht und umgesetzt wird.

In diesem Sinne ist es vielleicht gut und richtig, dass der „Wächter“ gerade jetzt erschienen ist, denn er kann als eine Mahnung verstanden werden, dass, nach wie vor, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sehr vieles nicht so ist, wie es sein könnte.

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9 von 9 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars
Von Marco Am hilfreichsten 14.09.2015

Einfach toll.

Einfach sehr gut.
Scout ist älter geworden und durch die Auseinandersetzung mit ihrem Vater wird noch ein viel differenzierters Bild eines Teils der Gesellschaft möglich.
Eine absolut gelungene Fortsetzung des ersten Teils.

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1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

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