Oliver Twist

  • von Charles Dickens
  • Sprecher: Frank Stöckle
  • 13 Std. 46 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

Bei den Übersetzungen des Werkes aus dem Englischen gibt es deutliche Unterschiede. Als die wahrscheinlich beste Übersetzung gilt die von Gustav Meyrink, welche die Vorlage für das Hörbuch lieferte. Die "alte" Sprache des 1868 in Wien geborenen Meyrinks erweckt die Zeit des Manchesters Kapitalismus, in der Oliver Twist spielt, wieder zum Leben. Besonderen Charakter haucht Meyrink den Protagonisten zudem ein, indem er Ihnen in den Dialogen verschiedene Dialekte zuweist. Der kleine Weltbürger Oliver Twist, Sohn unbekannter Eltern, wächst im Armenhaus einer Kleinstadt unter dem harten Regiment des selbstgefälligen Mr. Bumble auf. Er kommt zu einem Leichenbestatter in die Lehre, flieht ohne einen Pfennig nach London und gerät in die Fänge des Hehlers Fagin, der eine Bande jugendlicher Taschendiebe anführt. Und es gibt jemanden, der ein ganz spezielles Interesse daran hat, Oliver in Verbrechen zu verwickeln und dadurch zu vernichten.
Die Figur des Oliver Twist berührt, weil er trotz den elenden und menschenunwürdigen Bedingungen, die ihn fast unweigerlich ins Verderben hätten führen müssen, sich sein großes Herz, seinen Willen zu überleben und sein Mensch-Sein bewahren kann. Im Roman von Dickens stecken zwei Ebenen: Die ergreifende Erzählung und Beschreibung der gesellschaftlichen und sozialen Zustände im damaligen England, aber auch die aufrüttelnde Mahnung an uns Heutige, unseren Kindern das unbedingt notwendige seelische und geistige Rüstzeug mit zu geben, das sie befähigen kann, vertrauensvoll und stark in dieser Welt zu bestehen.

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Doppelter Literaturgenuss

Ein Roman, ja, sicher keiner Biografie. Keine der Hauptfiguren hat wirklich gelebt, aber ganz sicher hat es für alle Protagonisten reale Vorbilder gegeben. Das Schicksal der Menschen in diesen ergreifenden Buch mag uns hart und unmenschlich erscheinen, und das ist es auch. Aber die Realität in dieser gar nicht so fernen Zeit war sicher keinen Deut besser, eher noch schlimmer und noch härter. Die tödlichen, elenden Konsequenzen des Daseins für die armen Massen in dieser Gesellschaft werden im Buch nur angeschnitten. Dabei wird nichts beschönigt, aber doch von der Lichtgestalt Oliver Twists überstrahlt. Sonst wäre das Werk damals wohl auch unverkäuflich gewesen. Wer mehr von Leben der realen Menschen in den Slums der viktorianischen Gesellschaft erfahren will, dem sei Friedrich Engels "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" oder Jack Londons späterer Bericht aus den Londoner Slums um 1900 herum lesen. Parallelen zu heutigen Entwicklungen sind da gerne gestattet.

Aber Oliver Twist ist ein Roman. Die Figur des Oliver stahlt wirklich. Viel zu gut ist der Junge. Unbeschadet wird er in den Dreck und das Elend gestoßen und kommt doch unbesudelt wieder daraus hervor. Eigentlich fehlt nur noch der Heiligenschein. Aber egal, man gönnt es ihm. Ich will auch nichts spoilern. Der Buch ist schlicht ein Meisterwerk der Weltliteratur. Die vorliegende Ausgabe scheint sich auch recht nah am ursprünglichen Original zu orientieren, da sie doch noch deutliche antijüdische Anspielungen in Person auf Fagin enthält. Spätere Ausgaben wurden dahingehen ja immer wieder überarbeitet, auch von Dickens selbst.

Die Übersetzung von Meyrink erachte ich persönlich als literarischen Meisterwerk, dass der Vorlage in nichts nachsteht. Sprachlich auf dem höchsten Niveau. Sicher, man mag dich daran stören, dass hier Londoner mit Wiener Akzent sprechen und Fagin jiddisch spricht, aber wie anders hätte ein Österreicher denn die Dialekte aus dem Buch (ich gehe davon aus, dass die auch im Original vorkommen) denn anders übersetzen sollen. Mann kann die Sprache entweder nivellieren und unterschiedliche Zungen ausmerzen oder man nutzt die für die Leser vertrauten Töne und schreibt so. In My Fair Lady wird in der deutschen Version ja auch berlinert. Wen das stört, der mag halt das Original lesen. Für mich ist die Übersetzung jedenfalls sehr gelungen und so authentisch, wie eine Übersetzung nur sein kann. In Wien mag es damals vielleicht etwas beschaulicher zugegangen sein, aber leichter zu ertragen war das Elend dort wohl auch nicht. Für moderne deutsche Ohren ist dabei sicher nicht mehr jedes Wort, insbesondere die aus dem jiddischen stammenden Begriffe mehr verständlich. Da wäre eine "Übersetzungshilfe" nicht schlecht gewesen.

Auch der Sprecher bekommt von mir volle fünf Sterne. Ich finde, Frank Stöckle ließt einfach genial. Sowohl die hochdeutschen, wienerischen und (besonders) die jiddischen (angehauchten) Sätze gefallen mir ausgesprochen gut. Ohne so einen tollen Sprecher würde diese ergreifende Übersetzung wohl kaum als Hörbuch funktionieren.
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- Saarpirat

Kraftvoll!

Sehr gut, diese Übersetzung hören zu können, so kommen die verschiedenen Dialekte die Gustav Meyrink den Personen zugeordnet hat noch besser zu Geltung als beim Lesen.
Empfehlenswert! Eine Warnung für Anhänger der "political correctness": Fagin ist immer nur der "Jude" und wird mit osteuropäischem Akzent gesprochen.
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- Dagmar

Weitere Infos zum Hörbuch

  • Erscheinungsdatum: 17.08.2011
  • Verlag: 123Classic