Amerika

  • von Franz Kafka
  • Sprecher: Sven Regener
  • 7 Std. 55 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

"Kafka erscheint uns rätselhaft, dabei schreibt er doch eigentlich in einer schlichten Prosa, seine Schilderungen sind präzise, seine Personen reden in einfachen Worten und es wird weder um das, was sie tun, noch um das, das sie reden, noch um das, was ihnen zustößt, ein großes Gewese gemacht. Aber wir verstehen nicht. Oder glauben, nicht zu verstehen. Oder wir verstehen, können aber nicht sagen, was eigentlich. Wir glauben immer etwas anderes, Drittes ausmachen zu müssen, das mit dem, was dort passiert, eigentlich bezeichnet wird, wir versuchen, das Rätsel zu lösen.

Aber das ist vielleicht ein Fehler. Vielleicht sollte man Kafka anders lesen, nämlich ohne Reserve und ohne interpretatorische Ambitionen. So wie wir mittlerweile in der Malerei dreibeinige Pferde oder blaue Bäume hinnehmen können und auch atonale Musik und Wuppertaler Tanztheater: Wie es gerade kommt.

Amerika wäre dafür ein guter Einstieg, denn man kann das Buch auch fröhlich als Abenteuerroman lesen, in dem zwar sprachlich immer mal wieder die Perspektiven verrutschen, der eine Satz dem anderen widerspricht, Überdeutlichkeit mehr zur Vernebelung als zur Aufklärung beiträgt, aber was soll's, die Geschichte ist gut und man will wissen wie es weitergeht, und es geht immer weiter, weil Karl Roßmann ein wackerer Held ist, der alles Mögliche tut, bloß nicht lockerlassen. Aber das ist natürlich noch nicht einmal die halbe Miete.

Es bleibt die Rätselhaftigkeit, die geheimnisvolle Macht der Bilder, die unseren Erfahrungen zugleich ent- und widerspricht, die Magie einer Sprache, die sich von einem ruhigen Dahinfließen jederzeit und unvermittelt auftürmen kann zu den stürmischen Wellen äußerster Erregung, nur um gleich wieder abzuflauen und uns plaudernd einzulullen. (...)"
Sven Regener über Franz Kafka

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Das passt!

Wäre dies ein Marathonlauf, würde man Sven Regener am Anfang raten, seine Kräfte zu sparen und nicht gleich soviel Gas zu geben – und tatsächlich geht ihm kurz vor Schluss n'büschen die Puste aus, und er klingt so erschöpft wie der Held, Karl Rossmann, es eigentlich sein müsste, nach allem, was er bis dahin durchgemacht hat. In einem Interview sagte Regener auch, die Menge an Text habe ihn dann doch überrascht. Insgesamt liest er bemerkenswert gut. Trotz Bremer Slang artikuliert er sauber und exakt, man hört ihm den Respekt vor Kafkas Sprache an. Und den Genuss, diese wahnwitzigen Verhöre, diese kartellartigen Zusammenschlüsse gegen den Einzelnen, in diesem Fall gegen den bemitleidenswerten Karl Rossmann, ordentlich auszukosten. Als sei ihm die Erfahrung, durch die Erzeugung von Widersprüchen in die Enge getrieben zu werden, nur zu gut bekannt. Die passen, Kafka und Regener, und auch das Bremische haut hin, macht sogar Sinn, wenn man bedenkt, dass Rossmann sich in Hamburg nach New York einschifft. So weit ist Hamburg nicht von Bremen entfernt, auch sprachlich nicht. Aber das nur am Rande.
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- Claudia Kiel

Großartig

Kafka ist großartig. Nicht sperrig geschrieben. Wenig Kafkaesk. leider unvollendet... Sven Regener ist der Hit!
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- Rob S

Weitere Infos zum Hörbuch

  • Erscheinungsdatum: 24.09.2014
  • Verlag: tacheles! / Roof Music