Inhaltsangabe

Im Wiener Kunsthistorischen Museum bezieht jeden zweiten Vormittag der Musikphilosoph Reger Stellung. Nur an den eintrittsfreien Samstagen bleibt Reger dem Museum fern. Doch ausgerechnet dann möchte ihn sein Freund Atzbacher dort treffen. Reger gibt sich einen Stoß und bezieht auch am Samstag seinen Platz. Und nun ergreift Thomas Holtzmann für ihn das Wort und ergeht sich inmitten des Besuchersturms in herrlich schwungvollen Tiraden gegen die Wiener, gegen Kunstbeflissenheit und Titelsucht, Kapuzinergruft und Hofburg, Mehlspeisenkult und Prater.
(c)+(p) 2010 Der Hörverlag
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Kritikerstimmen



Wer den möglichen Mehrwert von gesprochener Literatur erleben möchte, der höre Holtzmann einfach zu.
-- Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Kundenrezensionen

Hilfreichste
5 out of 5 stars
Von log2e Am hilfreichsten 14.08.2010

Ein Roman von höchster schriftstellerischer Polemik

Thomas Holtzmann ist Jahrgang 1927, und es ist vielleicht kein Zufall, dass er zum Zeitpunkt der Aufnahme des Hörbuchs etwa genauso alt ist wie die Hauptfigur des Romans, der 82jährige Musikphilosoph Reger. Doch diese Koinzidenz ist ein Segen für dieses Hörbuch. Holtzmanns Stimme ist nicht nur durch die langjährige Erfahrung als Theaterschauspieler gereift, sie klingt auch - sofern dies akustischer Wahrnehmung zugänglich ist - altersweise. Und wie bei dem Hörbuch zum Roman "Holzfällen" gelingt es dem Sprecher auf einzigartige Weise, Bernhards monoman-monologische Prosa in ihrer Musikalität erlebbar zu machen.

Worum geht es in "Alte Meister"? Der Musikkritiker Reger, der für die "Times" über das Wiener Musikleben berichtet, besucht seit sechsunddreißig Jahren regelmäßig den Bordone-Saal im Wiener Kunsthistorischen Museum, um den "Weißbärtigen Mann", ein Gemälde von Tintoretto, zu studieren. In verschachtelten Perspektiven werden die so radikalen wie abenteuerlichen Reflexionen Regers wiedergegeben. Der mit Reger befreundete Schriftsteller Atzbacher ist so eine Spiegelfigur, der Museumsaufseher Irrsigler eine andere.

Reger ist durch die wiederholte Beschäftigung mit den größten Kunstwerken zu der schmerzlichen Erkenntnis gelangt, dass es kein vollkommenes Kunstwerk gibt. Die berühmten Schimpf- und Hasstiraden gegen Stifter, Bruckner und Heidegger sind stilistische Kabinettstücke, humoreske Polemiken, die in ihren grandios ungerechten und deshalb so treffenden Übertreibungen unerreicht sind.

Aber nicht nur mit Musik, Literatur und Philosophie geht Reger ins Gericht, gleichermaßen geißelt er das Toilettenwesen und die Kaffeehäuser in Wien und echauffiert sich über den österreichischen Provinzialismus Das alles ist über weite Strecken hochkomisch - nicht umsonst trägt das Buch den Untertitel "Komödie" - , doch Reger ist ein Verzweifelter, ein Mensch, der am Leben und an der Kunst leidet.

"Alte Meister", gelesen von Thomas Holtzmann - ein Hörerlebnis!

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12 von 12 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars
Von weissderkuckuck Am hilfreichsten 21.11.2010

Zum Hören geschaffen...

Vorweg: ich kann alles unterschreiben von log2eŽs bemerkenswerter Rezension.

Darum nur noch eine Feststellung: Auch als eifriger Leser überhaupt und speziell Bewunderer des Schriftstellers Thomas Bernhard hätte mich diese Lektüre vielleicht noch lange vor dem Ende wegen ihrer unermüdlich sprudelnden Polemik auf höchster künstlerischer Ebene überfordert/ermüdet. Doch Holtzmann zeigt, dass Bernhard laut gelesen werden MUSS, um Bernhards Sprachgewalt ganz und gar genußvoll zu erfahren und ebenso ertragen zu können.
Wer aber Thomas Bernhards Werke noch nicht kennt, sollte nicht arglos mit diesem Buch beginnen, und eine Komödie im üblichen Sinne ist es nicht, auch dies eher eine schmerzlich-boshafte Bezeichnung des Autors.

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9 von 9 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

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