Bis wieder ein Tag erwacht

  • von Charlotte Roth
  • Sprecher: Elisabeth Günther
  • 22 Std. 35 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

Ein Roman über die Kraft der Liebe, den Kampf für die Freiheit und den Mut zum Leben.

Ein verwunschenes Küstendorf in der Provence in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts: Über alle Klassenunterschiede hinweg wachsen fünf Kinder miteinander auf: Nathalie, die Bürgerstochter, Fabrice und Didier, die Brüder vom Schloss, und das Mauerblümchen Delphine sowie Nathalies algerischer Diener Salah. Doch auf dem Weg zum Erwachsenwerden zerbricht ihre kleine geborgene Welt: Nathalie ist in Didier verliebt, dieser aber bringt den Mut nicht auf, um sie zu kämpfen. Als die enttäuschte Nathalie nach Paris flieht, stürzt sie sich in einen Tanz auf dem Vulkan und begegnet dem Deutschen Alwin, der zum ersten Mal erahnt, wie die Freiheit schmeckt.

Doch das zaghafte Glück und alle Hoffnung finden ein jähes Ende, als Frankreich über Nacht im Krieg steht. Der zweite Weltkrieg beginnt, und aus Freunden werden Feinde, auf Seiten von Résistance und Besatzungsmacht stehen sich die, die sich gestern noch liebten, auf Leben und Tod gegenüber. Plötzlich müssen die jungen Leute Entscheidungen treffen - nicht mehr nur über ihr eigenes Schicksal, sondern über die Zukunft ihres Landes und sogar der halben Welt.

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Kriegshelden jenseits der Front

Ein neues Buch von Charlotte Roth ist Pflichtlektüre, das weiß ich inzwischen und dieses Buch beweist es wieder einmal. Man klappt das Buch auf und ist sofort mittendrin.

Fünf Kinder wachsen gemeinsam auf im Dorf Les Adrets. 1918 ist Nathalie acht Jahre alt, Didier und Fabrice vom Chateau sind etwas älter. Gemeinsam mit Delphine, die immer im Sommer zu Besuch kommt und dem Diener Salah spielen sie ein Spiel, das ihr Lebensinhalt wird. Sie sind Kriegskinder und wären alle so gerne jemand anderes.
In Berlin haben Alwin und seine Schwester Dörte mit den Nachwehen des ersten Weltkriegs zu kämpfen. Ihr Vater ist gefallen, das Familiengut konfisziert, sie stehen vor den Scherben ihres gewohnten Lebens.
Bei Ausbruch des zweiten Weltkriegs sind diese Kinder erwachsen. In Paris treffen sie aufeinander, als die Deutschen die Stadt besetzen und die Bürger der Stadt die Resistance ausrufen.

Charlotte Roth schreibt wunderbar, sehr bildreich, poetisch und gefühlvoll, ohne dabei kitschig zu werden. Ihre Figuren leben und atmen, handeln individuell und nachvollziehbar und zeigen erfreuliche Kanten. Die großen, strahlenden Helden sucht man hier vergeblich.

Dieses Buch erzählt von Menschen zu bewegten Zeiten. Es geht um Schicksale und auch Liebe, Familie, Träume. Und so ganz nebenbei bringt es einem ein Stückchen Geschichte näher. Man landet mitten in Paris, erlebt die Entbehrungen der Bevölkerung in diesem schrecklichen Krieg hautnah mit und ruft fast selbst nach Resistance. Wie sich ein Volk gegen die Besetzer wehrt, wird hier höchst eindrucksvoll geschildert.
Das Ende nimmt einen mit. So eine Geschichte kann nicht ohne Verluste abgehen und führt vor Augen, „dass es in bösen Zeiten keine guten Entscheidungen gibt. Höchstens weniger böse.“ Aber es lässt auch ein bisschen Hoffnung auf eine bessere Welt nach Kriegsende.
"Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!" sagt Frau Roth in ihrem Nachwort, eine Botschaft, die gerade in der heutigen Zeit Gehör finden sollte.

Ich habe angefangen, dieses Buch als Hörbuch zu hören, bin dann aber auf die schriftliche Version umgestiegen. Obwohl es schön gelesen wird, sind die geschichtlichen Details so vielfältig, dass sie leicht an einem vorbeirauschen, wenn man es vorgelesen bekommt. Auch die zeitlichen Sprünge nimmt man im Hörbuch mit Verzögerung war und ist verwirrt.
Dieses Buch sollte man lesen. Unbedingt!
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- Sursulapitschi

Jeder muss eine Entscheidung treffen, ganz alleine

Buch: 5 von 5 Sternen
Hörbuch: 4 von 5 Sternen (Begründung siehe Ende der Rezi)

Das letzte Wort ist gesagt, der letzte Ton verklungen und ich sitze da und bin überwältigt von meinen Gefühlen. Ein tolles Buch, ein wirklich sehr, sehr tolles Buch!

Doch ich fange jetzt mal am Anfang an...

Zu Beginn des Buches kam mir die Anfangsszene zwischen Nathalie und Alwin befremdlich vor. Wer war dieser Nazi Alwin, der so schroff und abfällig mit der französischen Frau Nathalie sprach, sie hintergehen wollte und sie als Hure bezeichnete? Ich konnte beide nicht greifen, hatte sie nur schemenhaft vorm inneren Auge und war bereit für ihre Geschichte...

Für die Geschichte der Kinder, die die Konsequenzen des 1. Weltkrieges erlebten und eine neue Zukunft aufbauen wollten. Für Kinder, die sich noch an die vergangene, schlimme Zeit erinnern konnten, da in jeder Familie die Lücke von fehlenden geliebten Menschen sichtbar war.

Wundervoll und berührend erzählt Charlotte Roth vom Leben "der fünf Finger einer Hand" und schlägt den Rahmen von 1918 bis August 1944, als Paris seine Befreiung von den deutschen Besatzern feierte. Die fünf Finger der Hand, wie sie sich damals nannten, Nathalie und Salah, Didier und Fabrice und auch Delphine, alle sie lebten und liebten in Frankreich in einer Zeit, in der Freiheit und Entscheidungen nicht immer selbstbestimmt gefällt werden konnten oder durften. Manch eine Kreuzung und Gabelung, die auf dem Lebensweg eingeschlagen werden musste, führte zu schweren Entscheidungen und ihren Folgen.

Auf der anderen Seite, in Deutschland, hat Alwin nur seine Schwester Dörte und seine Mutter. Nachdem sein Vater im 1. Weltkrieg gefallen war, musste er die Rolle des kleinen Vati übernehmen. Eine Rolle, die von diesem kleinen Jungen sehr viel abverlangte, einem kleinen Menschlein, der selbst noch liebe Worte und kindliche Streicheleinheiten gebraucht hätte.

Als Leser werden wir in das Leben dieser jungen Menschen gezogen, begleiten sie durch die schrecklichen Geschehnisse, die leider Geschichte geschrieben haben und stehen parat, wenn ihre Wege sich kreuzen.

Charlotte Roth schreibt episch, detailliert und sehr bildhaft. Es war ein Genuß und ich wollte immer mehr! Mehr von der Kindheit der agierenden Romanfiguren, mehr von all ihren Erlebnissen, Geheimnissen und Beziehungen. All das erweckte die Autorin zum Leben und machte das Buch unvergesslich.

Besonders gelungen empfand ich den Erzählkreis, den die Autorin um die jeweilige Figur, die gerade im Fokus stand, gezogen hatte. Dadurch offenbarte sich der Charakter, und ein weiteres Puzzelteil war bereit, um das Gesamtbild entstehen zu lassen. Puzzelteil, für Puzzelteil setzte sich das Buch vor mir zusammen, bis hin zum Ende, das voller Traurigkeit immer noch überraschen und ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnte.

Durch eine außergewöhnliche Erzählkunst und schöne Sprache wird dem Leser die Aussage des Buches immer vor Augen und Ohren geführt:

"Nie wieder Faschisten! Nie wieder Faschismus! Es gibt keine netten Nazis!"

Gerade in dieser heutigen, seltsamen Zeit, in der sich rechtsradikales Gedankengut versucht wieder einzuschleichen, unterzumischen und zu tarnen, müssen so Bücher wie dieses hier präsent sein, ermahnen und in Erinnerung rufen, dass das, was einmal war, nie mehr wieder geschehen darf! Liebe Charlotte Roth, DANKE dafür!

Bewegt bleibe ich zurück, das Ende knüpft an den Anfang an, lässt keine Fragen offen und das Puzzle ist fertig gelegt. Und im Ohr hallt mir immer noch nach:

Jeder muss eine Entscheidung treffen, ganz alleine, seine eigene!

Fazit:
Ein historsischer Roman, der einem das Herz öffnet und darin die Sehnsucht nach Paris pflanzt. Ein Roman, der gekonnt geschichtliche Hintergründe und bekannte Personen mit der Geschichte und den Figuren der Autorin vereint. Ein Buch tiefer Gefühle, von Liebe, Freundschaft und dem streben und sehnen nach Freiheit und Glück. Ein Buch, das nicht vergessen lässt und uns jeden auf den eigenen Prüfstand stellt. Ein absolutes Lesehighlight für dieses Jahr!

Zum Hörbuch:
Die Sprecherin Elisabeth Günther machte das Buch lebendig, die Charaktere greifbar und es gelang ihr, dass ich mich tief in die Geschichte fallenlassen konnte! Mit ihrer Stimme schaffte sie zu jederzeit eine angemessene Atmosphäre, die das Buch zu einem besonderen Hörgenuss machte.
Dennoch habe ich einige Passagen mehrere Male hören müssen, da ich manch einen Zeitsprung während des Hörens nicht gleich erfasst hatte. Zudem hätte ich mir gerne ein paar Sätze markiert, um dann, jetzt im Nachhinein, die eine oder andere Stelle nachlesen zu können. Deshalb gibt es für dieses Buch eine klare Lese- und weniger eine Hörempfehlung.
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- monerl

Weitere Infos zum Hörbuch

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2017
  • Verlag: Audible GmbH