Der Hals der Giraffe

  • von Judith Schalansky
  • Sprecher: Dagmar Manzel
  • 4 Std. 58 Min.
  • gekürztes Hörbuch

Beschreibung

Anpassung ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet die schrullige Lehrerin seit mehr als dreißig Jahren Biologie. Dass ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern - in der schrumpfenden Kreisstadt im vorpommerschen Hinterland fehlt es an Kindern. Lohmarks Mann, der zu DDR-Zeiten Kühe besamt hatte, züchtet nun Strauße, ihre Tochter Claudia ist vor Jahren in die USA gegangen und hat nicht vor, Kinder in die Welt zu setzen. Alle verweigern sich dem Lauf der Natur. Als die Lehrerin beginnt, Gefühle für eine Schülerin zu entwickeln, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken.

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Talentprobe mit Schwächen

Kaum eine deutschsprachige Neuerscheinung der letzten Monate ist so viel und so positiv besprochen worden, auch für den Deutschen Buchpreis war Judith Schalanskys "Der Hals der Giraffe" nominiert. Und während der ersten Stunde des Hörbuchs dachte ich auch tatsächlich, dass die hymnisch lobenden Literaturkritiker recht haben könnten. Aber dann... kommt einfach nichts mehr... und der Text dreht sich in der rigiden Gedanken- und Lebenswelt der Provinzlehrerin, die sich an ihrem biologistischen Weltbild festhält, wieder und wieder im Kreis. Ein Psychogramm, das stellenweise sprachlich sehr überzeugen kann, aber eben kein gelungener Roman. Dazu fehlt einfach eine Entwicklung, eine Handlung, ein dramaturgischer Bogen. Denn das Weltbild der Hauptfigur kommt eben nicht ins Wanken, wie der Klappentext verspricht. Ganz feine Risse werden zwar angedeutet - die abgestandene Ehe, die Sehnsucht nach Kontakt zur Tochter, Gefühle für eine Schülerin -, aber eben nur angedeutet. Aber die Autorin ist noch jung, vielleicht glückt ihr beim nächsten Buch ein wirklich gelungener Roman.
Drei Sterne für den Text - ein Zusatzstern für die sehr stimmige Interpretation Dagmar Manzels!
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- Christian

Die Ironie eines Schicksals

Das erzählerische Talent dieser jungen Autorin (Jahrgang 1980) ist beachtlich. Dennoch muss man sich erst einmal anfreunden mit diesem Hörbuch, dessen Heldin so ganz und gar nicht gefällig ist und naturgemäß eher spröde und kühl daherkommt. Mit viel hintergründigem Humor leuchtet Schalansky die Seele ihrer Heldin aus, blickt in ihr Inneres, seziert sie gar. Genau das, was auch Inge Lohmark mit ihren Schülern macht: 30 Jahre derselbe Unterricht, basierend auf naturwissenschaftlichen Fakten - alles andere ist überflüssiges Gedöns und verdient ihre tiefste Verachtung. Ein "Bildungsroman" (sagt der Untertitel), der im Grunde keiner ist, denn Inge Lohmark macht keine Entwicklung durch, sie nimmt die Dinge wie sie sind und hält dies für Objektivität. Und wenn da etwas von außen an der Fassade rüttelt, wie etwa Gefühle, die nicht sein dürfen, die nicht reinpassen in ihr enges Weltbild - dann rumort es ein wenig und dann geht das Leben weiter. Anpassung ist alles. Die Lebensauffassung und den Zynismus der Heldin muss man aushalten können, dann ist dieses Buch ein tragikomische Post-Wende-Geschichte, wie sie so vermutlich noch nicht erzählt wurde: Aus der Sicht einer, die sich immer angepasst hat, damals wie heute. Ein Anti-Bildungsroman und eines, das sich durch die Erzählweise bewusst einer Identifikation entzieht. Aber keines, das man so schnell vergisst. Das liegt sicher auch an der überzeugenden Interpretation durch Dagmar Manzel. Absolutes Highlight!
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- D.

Weitere Infos zum Titel

  • Erscheinungsdatum: 23.09.2011
  • Verlag: Der Audio Verlag