Der Lärm der Zeit

  • von Julian Barnes
  • Sprecher: Frank Arnold
  • 6 Std. 7 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

Von der Liebe zur Musik und den Zwängen der Macht.

Der sowjetische Starkomponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch gehört zu den renommiertesten Komponisten seines Landes, als Stalin eines Abends der Aufführung einer seiner Opern beiwohnt und schon in der Pause den Saal verlässt. Schostakowitsch wartet ab diesem Abend Nacht für Nacht angezogen, auf seinen gepackten Koffern sitzend neben dem Aufzug seiner Wohnung, dass er verhaftet wird.
Doch niemand kommt. Stattdessen feiert er Erfolge mit seiner Fünften Symphonie und wird wieder Liebling der Massen. Aber nun muss er sich ungewollter Privilegien erwehren, die mit der Vereinnahmung durch die Partei einhergehen. Es geht nun nicht mehr um Leben und Tod, sondern um künstlerische und moralische Integrität. Und diese ist nicht weniger substanziell für den Komponisten.

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Grenzen der Ironie in drei Sätzen

Es ist schon faszinierend, wie ergreifend der einigermaßen bekannte Stoff rüberkommen kann: von Schostakowitsch und seinem Schicksal wusste ich bereits eine Menge, von dem begnadeten Erzähler Julian Barnes erwartete ich vor allem die menschliche Dimension. Die Erfüllung war sogar größer, als erwartet.
Der sehr suggestiv erzählte innere Monolog des Komponisten hat drei chronologische Stützpunkte, mit sehr plastischen Ausschweifungen in die Vergangenheit. Es geht weniger um die Musik und das Schöpferische, sondern vor allem um das, was das Einschüchtern und die Feigheit mit sich bringen. Julian Barnes war schon immer ein Experte fürs Menschliche: feinfühlig, bildstark und, vor allem, sehr universell.
Im dritten Satz weichen die Bilder ziemlich dem Sinnieren aus, aber wir haben mit einem weisem Autor und mit einem außerordentlichen Protagonisten zu tun, also erklingen die nachdenklichen Zeilen sehr organisch, zumal auch die Untertöne einer Zusammenfassung des Lebens zu vernehmen sind. Es geht um die Grenzen der Ironie und des Menschlichen überhaupt, um das Befinden in der Falle, wo nur das Schlimmste („trinken wir darauf, dass es nicht besser wird“) zu erwarten ist…
Dennoch: die Erzählung ist beinahe leichtfüßig, trotz des hämmernden Wahnsinns im Hintergrund, meisterhaft mit Zuspitzungen und witzigen Gleichnissen gespickt.
Ich denke, Musikkenner werde auch gewisse Ähnlichkeit des Romans mit der Schostakowitsch‘s Musik entdecken könne, wo das Dramatische und das Höhnische, das Tragische und das Heitere, das Eitle und das Innige durchwachsen sind. Die beretis vorgeführten Motive oder Anspielungen an sie werden immer wieder sehr gekonnt eingesetzt.
Eine großartige Hörlektüre! Eine großartige Leistung von Frank Arnold!
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- Kristina

Von der russischen Seele

Nachdem ich das Buch gehört habe, habe ich es gleich nochmal gehört. Das tue ich sehr selten, es spricht für die Qualität dieses Buches. Ein Paradebeispiel für einen Blick hinter den „Eisernen Vorhang“.
Als DDR-Kind hat sich mir vieles ganz anders erschlossen, man war ja praktisch Teil eines gleichgepolten Systems und bekam meist ganz andere Geschichten zu hören. Und das schafft natürlich innere Bilder, die durch solche Bücher zerstört werden können. Gut so!!!
Julian Barnes gelingt es vortrefflich den menschlichen Faktor dieser diktatorischen Ungeheuerlichkeiten einzufangen und zu transportieren, den Spagat zwischen Wasser und Öl, will sagen, der Unvereinbarkeit von Diktat und Kunst. Dem Ringen mit Angst, Moral und künstlerischer Verwirklichung.Was übrig bleibt ist am Ende die Musik, zeitlos, verbogen, mit versteckter Ironie, grandios. Ein Spiegel des Schaffens und Leidens von Schostakowitsch. Die Wahrheit erscheint, wenn man schweigen muss, zwischen den Zeilen. Das kenne ich noch gut. Zwischendurch mal was vom Komponisten zu hören macht alles noch lebendiger.
Ein stilles Buch der inszenierten Selbstbetrachtung eines Musikergenies aus einer so anderen Welt.
Und Frank Arnold? Der hat sich eh schon in den Hörbuch-Olymp gelesen, vor allem meistert er immer wieder anspruchsvolle Literatur. Unbedingt noch mehr davon!!! Danke für dieses Buch…
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- Udolix

Weitere Infos zum Hörbuch

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2017
  • Verlag: Argon Verlag