Der Wolkenatlas

  • von David Mitchell
  • Sprecher: Johannes Steck, Carin C. Tietze, Stefan Wilkening
  • 21 Std. 36 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

Sechs Lebenswege, die sich unmöglich kreuzen können: darunter ein amerikanischer Anwalt, der um 1850 Ozeanien erforscht, ein britischer Komponist, der 1931 vor seinen Gläubigern nach Belgien flieht, und eine koreanische Duplikantin, die in der Zukunft wegen des Verbrechens angeklagt wird, ein Mensch sein zu wollen. Und dennoch sind diese Geschichten miteinander verwoben. Mitchells originelle Menschheitsgeschichte katapultiert den Leser durch Räume, Zeiten, Genres und Erzählstile.

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Kritikerstimmen

Mitchell kartographiert Seelen und schreibt Weltliteratur.
-- NZZ

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Ein interessantes Erzählkonzept

Wie hat mir "Der Wolkenatlas" gefallen? Es hat mich beeindruckt, gefesselt, frustriert, geärgert und auch begeistert. Ein Buch, das seine Leserschaft vermutlich spaltet, und dies dürfte an seiner ungewöhnlichen Erzählweise liegen. Es ist ein Buch, das sechs Geschichten erzählt, von denen jede in einer anderen Zeitepoche spielt. Es wird in der Sprache und mit den Ansichten der jeweiligen Epoche erzählt. Das fesselt und fasziniert. Frustrierend ist, dass in der ersten Hälfte des Buches jede der sechs Geschichten nur zur Hälte erzählt wird und abrupt an der spannendsten Stelle aufhört. Das verärgert! Ich habe das wirklich gehasst. Kaum war man in der Story und hing zappelnd am Haken *zack* fängt die nächste Geschichte überganglos an. Verflucht! Dabei will man doch wissen, wie *diese* Geschichte endet. Und zwar jetzt!

Tja, da hatte der Autor was dagegen. Er erzählt unbeirrt die nächste Geschichte - und zwar auch nur bis zur Hälfte. Und so beginnt die Geschichte in der Vergangenheit mit einer Schiffsreise im Pazifik, erzählt als nächstes vom Leben eines jungen begabten Komponisten im Europa nach dem ersten Weltkrieg, macht einen Schwenk in die 1970er Jahre und erzählt von der Macht und den Machenschaften der Energiekonzerne, erzählt die Geschichte des Geliebten unseres Komponisten von zuvor und was ihm in den 1980ern so alles zustößt, führt in eine nicht zu ferne Zukunft, in der geklonte Menschen die Sklaven und Nutztiere der natürlichen Menschen sind und nur noch Konzerne die Welt regieren, geht noch weiter in die Zukunft und nimmt mit dieser Geschichte wieder Platz im Pazifik, in einer Zeit, in der die Zivilisation nur noch eine Erinnerung ist - und dann werden die Geschichten im zweiten Teil des Buches zuende erzählt. Und zwar sozusagen "rückwärts" aus jener fernen Zukunft zurück zur Schiffsreise in der Vergangenheit im Pazifik.

Ein faszinierendes und auch gewagtes Erzählkonzept, mit dem man sich sicherlich auch erst mal anfreunden muss. Daher sollte man sich zuerst mal die mitgelieferte PDF ansehen. Schön ist auch die Idee, die Geschichten durch in der Geschichte spielende Geschichten miteinander zu verknüpfen. Das in diesem Erzählkonzept zu entdecken hat mir sehr viel Spaß gemacht. Aber ganz klar: Diese Erzählweise ist durchaus anstrengend. Kein Buch zum Nebenbeihören. Schön fand ich auch die Vermischung der verschiedenen Genres. Es fängt als Abenteuer- und Forschungsreiseerzählung in Tagebuchform an, die 70er Jahreerzählung hat Krimielemente, die Klongeschichte ist eine tolle Science Fiction und es endet wieder so, wie es angefangen hat. Weltliteratur? Keine Ahnung, ob ich denn so weit gehen würde. Es ist einfach eine interessante Geschichte, die über einige Jahrhunderte der Veränderung erzählt wird und am Ende des Buches wieder in jener Zeitepoche endet, in der sie angefangen hat.

Ein Buch, das zu Hören aufgrund seiner ungewöhnlichen Erzählweise, sicherlich auch ein Abenteuer ist.
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- ma.za

Literatur auf hohem Niveu

Was für ein Buch! Es lässt mich sprachlos zurück. Ein Stück Weltliteratur im Gewand eines „Page-turners“.

Es geht um nichts Geringeres als um den Untergang der menschlichen Zivilisation. Sechs Geschichten, wie sie in Stil, Sprache und Erzählweise nicht unterschiedlicher sein könnten erstrecken sich, miteinander verwoben, über etwa 5 Jahrhunderte.

Da ist Adam Ewing mit dem Tagebuch seiner Pazifikreise von 1850, der Briefwechsel des anscheinend erfolglosen Komponisten Robert Frobisher von 1931, ein Thriller aus dem Amerika der 70er Jahre in dem die Journalistin Luisa Rey es mit der machtgierigen Atomlobby zu tun bekommt, die Memoiren des gepeinigten Verlegers Timothy Cavendish aus dem England der Gegenwart, der aus Bosheit von seinem Bruder in ein Altersheim eingewiesen wird, ein Vernehmungsprotokoll aus der nahen Zukunft, in dem die „Replikantin“ Sonmi befragt wird, die vorgibt ein Mensch zu sein und eine Erzählung aus ferner Zukunft in der Stammvater Zachary über die gewalttätigen Stammeskriege auf Hawaii berichtet.

Jede Geschichte ist in einem für ihre Zeit üblichen Schreib- und Erzählstil gehalten. Für die in der Zukunft liegenden Teile hat der Autor eigene Sprachen erfunden, die wesentlich dazu beitragen, dass die Themen unter die Haut gehen.
Die Geschichten unterbrechen sich gegenseitig abrupt (nein, der MP3-Player ist nicht defekt!) und werden nach der Hälfte des Buches in umgekehrter Reihenfolge wieder aufgenommen. Dadurch entsteht ein Spannungsbogen, der das gesamte Buch durchzieht.

Der Hörer wird regelrecht in die Geschichten hineingezogen. Man hört nicht zu, sondern man ist dabei. Von der gnadenlosen Folgerichtigkeit der Argumente und Ereignisse, die zum Untergang der Zivilisation führen wird einem regelrecht übel. Und der Schlusssatz des Adam Ewing, den schon viele Philosophen und Religionsgründer in ähnlicher Form auf ihre Banner geschrieben haben, tröstet nicht wirklich.

Wer dieses Buch gelesen hat, wird aktuelle politische Strömungen wie „Atomausstieg“, „Regulierung des Finanzsektors“, „Einschränkung des Waffenhandels“, „Menschenrechte“ oder „Integration“ in einem völlig anderen Licht sehen. Sie sind nicht Beiwerk, sondern notwendige Voraussetzung jeder Gesellschaft. Das Buch ruft dazu auf politisch zu sein, sich einzumischen, die Zukunft aktiv zu gestalten.

Die Vorleser und Vorleserin machen ihre Sache sehr gut. Ich kannte sie bis jetzt noch nicht von Hörbüchern. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass man sich in die jeweilige Zeit versetzt fühlt. Hut ab!

Es bleiben zwei Kritikpunkte: Ich hätte mir gewünscht, dass wirklich jede Geschichte von einem anderen Sprecher vorgelesen wird. Das hätte die Absichten des Autors besser unterstützt.
Die dem Buch hinterlegte Philosophie Nietzsches halte ich für zu einseitig. „Den Willen zur Macht“ als einzige Triebfeder der Zivilisation zu benennen und die „Wiederkehr des immer Gleichen“ als ihre innere Struktur, das ist zu kurz gedacht. So einfach sind Menschen nicht.

Hoffentlich.
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- bindigr

Weitere Infos zum Hörbuch

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2013
  • Verlag: Kuebler Hörbuch. Ein Label der Kuebler Television AG