Die Hauptstadt

  • von Robert Menasse
  • Sprecher: Christian Berkel
  • 14 Std. 18 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

Wo die Fäden zusammenlaufen

Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur in Brüssel, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der EU-Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an - die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte.

David de Vriend dämmert in einem Altenheim seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Thinktank der Kommission Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen - für ein Schwein, das durch die Straßen läuft.

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Babylonisches Konfetti in Momentaufnahmen

Dieser Roman gehört auf jeden Fall zu den Büchern, die man, nachdem einmal gelesen, gerne gleich wieder aufschlägt, um die einzelnen Details im ganzen Gemälde, das die Lektüre zusammenfügen ließ, nochmals zu bewundern.
Zugegeben: Ausrichten eines Jubiläums von einer Behörde könnte, trotz der Parallele mit dem Musils Lebenswerk, nicht gerade viel Aufregendes bieten. Spannend sind vor allem die sehr verschiedenen Beteiligten und andere direkt oder anderweitig mit ihnen Verbundenen, ihre Charaktere und Flashbacks, daher ist es schön, dass in der „Hauptstadt“ mehrere Protagonisten agieren. Quasi der Bau des Babylons unter literarischer Lupe. Auch wenn es keine neue Erkenntnis ist, dass unsere vermeintlich große Welt allzu oft einem kleinen Dorf ähnelt, vor allem – in Babyl…, pardon, Brüssel, erzeugt die Erwartung, in welchen Situationen und Konstellationen die Figuren sich begegnen oder miteinander verbunden würden, eine besondere innere Spannung. Robert Menase hat eine großartige Gabe, die Figuren, ihre Temperamente, Beweggründe und Widersprüche eigentlich mit sehr sparsamen Strichen, aber keinesfalls lieblos oder gar karikaturistisch herbeizuführen. Ob Ehrgeiz, Schmerz, Frust, Idealismus, Depression, Eitelkeit oder Genugtuung – alles lässt sich mit einigen nicht abgedroschenen, farbigen und plastischen Details schildern. Festgehaltene Konfetti eben. Und: Auch Eurobürokraten sind vor allem Menschen.
Gerade das Individuelle macht die Figuren prägnant und lässt sie gut auseinanderhalten, trotz mehreren, zunächst ziemlich losen Handlungssträngen. Diese bringen wiederum sehr bildhaft das politisch und gesellschaftlich Relevante, die historischen Reflexionen und ihre dialektischen Spannungen zur Geltung. Da stören auch die paar Plädoyers nicht, denn diese sind leidenschaftlich und einfach von meisterhaften Rhetorik. Dabei lässt sich (von Talentierten!) alles Menschliche ganz konkret schildern: auch wenn es sich dabei um nicht leicht durschaubare und sehr widersprüchliche Mechanismen, die allerdings unser Leben bestimmen, handelt, um den Interessen-, Generationenkampf oder die sich widerlegenden Auslegungen. Beobachtungsgabe allein würde dabei nicht ausreichen, Robert Menasse geht aber so souverän mit Leitmotiven - Pointen, Einsichten, Gleichungen, Zuspitzungen – um, dass man auch die Themen schluckt, die mittlerweile so ziemlich unter der Verdrossenheit leiden.
Der Roman verlangt schon eine gewisse Fertigkeit des aufmerksamen Lesens bzw. Zuhörens (was ebenfalls ein Vergnügen sein kann). Daher ist eine Hörlektüre sogar vom Vorteil, besonders mit dem kongenialen Vorleser Christian Berkel. Ein echter Meister, der beim Einstudieren so viel Abwechslungsreiches entdecken und dieser „Spielwiese“ so viele Möglichkeiten abgewinnen kann! Der Hörer wird nicht etwa vom ruhigen, gemütlichen Erzählfluss gewogen, sondern immer wieder von knackigen Rubati überrascht – nicht nur vom Tempowechsel, sondern auch von der (sehr nachvollziehbar eingesetzten) wechselnden Dynamik. Allein dadurch, ohne Stimmennachahnung oder -verstellung gelingt es ihm, alle Dialoge und Monologe sehr organisch und überzeugend widerzugeben. Das „babelisch Internationale“ vermag er auch sehr schön und adäquat zur Geltung zu bringen, egal, ob es sich ums Französische, Wienerische oder Polnische handelt. Sehr gerne würde ich auch mehr Sterne für diese Sprecherleistung vergeben.
Eine durchaus zeitgenössische, ansprechende, dynamische, anregende und weise Hörlektüre!
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- Kristina

Verzettelt sich

Vorweg: meine Rezension bezieht sich auf die Hörbuch Version.

Ich kann nicht verstehen warum dieses Buch einen Preis gewonnen hat. Vor allem weil ich nach seinem Ende immer noch nicht weiß , was es mir eigentlich sagen wollte.

Es gibt keine wirkliche Geschichte. Die Erzählung wirkt wie eine lose Aneinanderreihung von verschiedenen Kurzgeschichten. Keine kommt wirklich zu einem Ende und sie werden auch nicht zusammengeführt. Immer wieder treffen sich bewusst oder eben auch nicht Figuren aus den verschiedenen Strängen ohne dass dabei etwas wirkliches geschieht.

Dazu gesellen sich immer wieder Episoden, die nur ganz marginal etwas zur Geschichte beitragen.
Die philosophischen Gedankenspiele sind an sich teilweise interessant, bringen aber im Gesamtkontext wenig bis nichts.
Dagegen sind die Erinnerungen an die Vergangenheit teils sehr anstrengend. Z.B wird minutenlang über die Zugehörigkeit in einem Fußballclub exerziert nur um mit der Pointe zu erklären, warum der Protagonist in einem Meeting anwesend ist obwohl er das eigentlich nicht für sinnvoll hält.

Dabei wäre gerade die Arbeit der Europäischen Kommission ein Thema gewesen dass es wert wäre ein Buch darüber zu schreiben. All die Verflechtungen, Zwänge und Kompromisse die es eben nicht einfach machen in einem Europa der Nationalstaaten sinnvolles zu schaffen. Aber auch hier wird das Thema nur angeschnitten und viele Punkte einfach abgehandelt ohne sie tiefer zu betrachten , was tatsächlich spannend gewesen wäre.

Zum Schluss kommt es zu einem uninspirierten Ende was leider ziemlich vorhersehbar war, da dies eine der wenigen Möglichkeiten war, einige Stränge zusammen zu führen. Leider auf eine sehr langweilige und nichts ausdrückende Weise.

Ps: es ist ja ganz nett dass der Sprecher gerne zeigen möchte dass Altenpfleger lauter mit ihren Klienten sprechen. Das aber mit ungefähr dreifacher Lautstärke in einem Hörbuch zu machen ist schon grenzwertig gerade für Leute, die dieses Hörbuch im Auto hören.
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- Ich

Weitere Infos zum Titel

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2017
  • Verlag: Der Hörverlag