Inhaltsangabe

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs: Der Berliner Fabrikant Hermann Kypscholl wähnt sich auf der Seite der Gewinner, seiner Familie fehlt es an nichts und bei Feiern mit illustren Gästen in der Wannsee-Villa fließt Sekt in Strömen. Tochter Anna steht vor einer Karriere als Rassenforscherin; Sohn Otto, der eigentlich Maler werden will, wird von seinem Vater in die Wehrmacht gezwungen und raubt in Europa Kunstwerke für Nazigrößen. Doch nach 1945 ist nichts mehr, wie es war: Anna wird vermisst, Otto sitzt im Kriegsverbrechergefängnis und die Teilung Deutschlands schlägt eine Schneise in die Familie. Erst in den 1960er Jahren finden Annas und Ottos Kinder zusammen, aber beide leiden unter den Wunden, die der Krieg gerissen hat.

"Herrliche Zeiten" ist ein monumentaler Roman über Anpassung, Widerstand und Deformierungen an Leib und Seele. In epischer Sprache und mit psychologischer Tiefenschärfe zeichnet Norbert Leithold Aufstieg und Fall einer großbürgerlichen Familie über drei Generationen hinweg und entwirft ein lebendiges Panorama vom "Dritten Reich" bis in die 1968er in West und Ost.


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Kundenrezensionen

Hilfreichste
5 out of 5 stars
Von Matthias Am hilfreichsten 06.05.2014

Ganz großes Kino

Hä? Großer Familienroman mit Nazis und DDR - von Uve Teschner gelesen - und erst ganz wenige Bewertungen? Versteh einer die Hörer.
Liegts daran, dass den Leithold keiner kennt?
Dann sollte sich das schnell ändern.
Denn der Mann kann schreiben.
Der Stil erinnert ein bißchen an Hans Fallada - in der Gegenwartsform geschrieben, sehr nüchtern, fast zynisch, nicht selbst wertend, sondern das Beurteilen dem Leser/Hörer überlassend.
Deutsche Geschichte wirklich zum Anfassen - und ganz ohne Bilderbuchcharaker - durch die Augen der Familie Kypscholl und ihrer Freunde & Feinde erlebt man Nazirausch und Naziverbrechen, frühe DDR-Aufbruchstimmung, 68er Revoltution und immer wieder auch sexuelle Eskapaden. Was mich am meisten beeindruckt hat - es gibt praktisch keinen einzigen positiven Helden in dem Roman. Alle sind verstrickt in ihre Probleme, lassen sich von der Zeitgeschichte treiben, handeln egoistisch - und trotzdem (oder grade deshalb) will man wissen, wie dieses große Breitbildpanorama von Schurken, Nieten und Versagern weitergeht.
Nach Merles Malevil für mich bisher DAS besondere Hörerlebnis des Jahres!
Natürlich wieder - wie kaum anders zu erwarten - super gelesen von Uve Teschner, dessen Stimme perfekt zu dem schnoddrig-nüchternen Stil passt.
Vielleicht kommt ja mal irgendwer auf die gloriose Idee, den Fallada ungekürzt zu produzieren! Wolf unter Wölfen, Kleiner Mann, was nun, Jeder Stirbt für sich allein ungekürzt mit Teschner, das wärs doch! (Bisher gibts, wenn überhaupt, nur extrem verstümmelte Kurzfassungen.)

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29 von 30 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

5 out of 5 stars
Von Momi Am hilfreichsten 13.05.2014

Ein verstörendes Buch

Eine bewegende Geschichte. Herrliche Zeiten habe ich keine gefunden.
Verstörend anzuhören, wie Gewalt wieder Gewalt erzeugt. Wie jemand aus voller Überzeugung Behinderte tötet, wie Generationen verloren gehen.
Verstörend das Nazigedankengut so präsent zu haben, dass eigentlich der Vergangenheit angehören sollte.
Verstörend, weil doch das erhoffte Happy End ausbleibt.

Der Sprecher, obwohl ich ihn sehr mag, nur 4 Punkte, weil ich ständig lauter und leiser drehen müsste. Immer wenn er Finkel las, habe ich ihn fast nicht verstanden, vor allem im Auto. Im nächsten Moment schrie er wieder.

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8 von 8 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

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