Beschreibung von Audible

Windkraft? Ja, immer und gerne! Aber bitte nicht hier in Unterleuten! Erfolgsautorin Juli Zeh nimmt die Menschen und Verhältnisse in "Unterleuten", einem kleinen brandenburgischen Dorf, genau unter die Lupe.
Was sie denken, wie sie fühlen, welche Feindschaften und Gesinnungen sie pflegen - und welche Abgründe und Lächerlichkeiten sich bei jedem Einzelnen auftun: Das ist großer Erzählstoff, stellvertretend für eine Gesellschaft, in der es immer schwieriger ist, eine eindeutige moralische Position zu verteidigen. Vor allem, wenn der Klassenfeind und Gegner eigentlich zu den Guten gehört, zumindest energiewirtschaftlich betrachtet. Ausgerechnet ein Windkraftwerk, das Investoren in direkter Nähe zur Dorfidylle errichten wollen, entfacht neuen Zündstoff innerhalb der ohnehin schon labilen Dorfgemeinschaft.
Wie Sprecherin Helene Grass im ungekürzten Hörbuch "Unterleuten" von Juli Zeh jede einzelne Figur seziert und dabei gleichzeitig alle Handlungsfäden zusammenhält, ist ein Kunststück für sich. Jeder aus "Unterleuten" könnte unser eigener Nachbar sein. Aber wann hat man sonst Gelegenheit, genüsslich dabei zu lauschen, wie er seine nicht immer guten Motive und Charaktereigenschaften preisgibt?
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Inhaltsangabe

"Die Geschichte ist wie ein Kaleidoskop. Man dreht ein wenig, und alles sieht anders aus." Juli Zeh

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen.
Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Kein Wunder, dass schon wenige Tage später im Dorf die Hölle los ist...

Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der hochspannend wie ein Thriller ist. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?
©2016 S. Fischer (P)2016 der Hörverlag
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Kundenrezensionen

Hilfreichste
5 out of 5 stars
Von Buechereule2 Am hilfreichsten 06.07.2016

Fesselnder Gesellschaftsroman

Juli Zehs neustes Buch „Unterleuten“ zeigt viele Facetten des Lebens in einem kleinen Dorf, das sich sogar Neuankömmlingen nicht lange als verschworene Gemeinschaft zeigt. Der Luchterhand Verlag bewirbt es als „großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit“, mit der Frage „Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses?“ Diese Beschreibung ist sehr treffend und beschreibt doch nur einen Teil des sehr facettenreichen Romans.

Unterleuten ist ein sehr spezielles Dorf, das irgendwo in Brandenburg liegt und dessen knapp 100 Einwohner seit Jahrzehnten versuchen den Widrigkeiten der Politik und der Wirtschaft zu trotzen. Es gibt alte und nie vergessene Feindschaften, die einen tiefen Graben durch das Dorf ziehen und denen sich auch die so idealistischen wie arroganten Neuankömmlinge aus Berlin nicht entziehen können. Mit jedem neuen Kapitel wechselt auch die Perspektive, sodass jede der Hauptfiguren immer wieder selbst zu Wort kommt, die Leser oft mehr wissen als die meisten Figuren und die Handlung schnell an Tiefe gewinnt, vor allem wenn die gleiche Szene aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Jedem Kapitel vorangestellt ist ein Zitat der jetzt zu Wort kommenden Figur, eine originelle Idee.

Schnell wird klar, dass schon lange kaum jemand wirklich glücklich ist in Unterleuten und als dann auch noch ein fremder Investor aus dem Westen quasi auf der Durchreise Land erwirbt, auf dem er einen Windpark errichten möchte, brechen schwelende Wunden wieder auf und es bilden sich deutlich sichtbare Fronten, hinter denen lieber über die Anderen geredet wird statt mit ihnen. Es dauerte nicht lange, bis ich gefesselt war von der Handlung und den Figuren, Juli Zehs Gabe, Menschen zu beobachten und knapp die treffenden Worte zu finden, ohne je in Klischees abzugleiten.

„Unterleuten“ ist ein böses Buch, dessen Figuren alle scharfe Ecken und Kanten haben, von denen manche einem zum Ende hin fast ans Herz gewachsen sind, weil man ihre Motive verstehen kann, ihre Hoffnungen und allzu oft enttäuschten Träume. Andere bleiben eher fremd, jedoch nie blass - wie im wirklichen Leben. Eine der zentralen Figuren namens Krohn beschreibt sich selbst als ein Mensch, im dem mehrere Krohns unterschiedlichen Alters wohnen und ihre entsprechend unterschiedlichen Meinungen vertreten. Zahlreiche mehr oder minder gut versteckte Seitenhiebe auf aktuelle „Werte“ und Modeerscheinungen ließen mich mal Schmunzeln, mal das Lachen im Halse steckenbleiben.

Helene Grass war mir bisher als Sprecherin kein Begriff. Sie versteht es geschickt, die unterschiedlichsten Stimmungen und Figuren zu transportieren und gab mir oft das Gefühl, den Figuren selbst zuzuhören.

Juli Zeh ist in „Unterleuten“ gelungen, ein Buch über das „wahre Leben“ zu schreiben, ihre Figuren sind wie echte Menschen, die viel erlebt haben, das sie mit ihren Nachbarn verbindet oder dauerhaft von ihnen trennt. Ein Buch über den Wertewandel unserer Gesellschaft und den Umgang damit, das nachdenklich macht und gleichzeitig spannender als viele Krimis ist, bis hin zum so überraschenden wie passenden Ende.

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29 von 29 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

4 out of 5 stars
Von Sursulapitschi Am hilfreichsten 24.09.2016

Vom Winde verweht

Unterleuten, ein Dorf in Brandenburg. Hier ist es ruhig, die Luft noch rein, die Wiesen grün, die seltenen Kampfläufer heimisch und die Bürger speziell.

Mit wunderbar leiser Ironie, führt einen Juli Zeh in das Dorfleben ein. Man hat zunächst einiges an Personal zu verdauen, trifft Typen jeder Couleur mit unterschiedlichsten Ambitionen, die nicht immer zusammenpassen. Aber je näher man sie kennen lernt, desto besser versteht man sie. Irgendwann bedauert man sogar Schaller, „das Tier von nebenan“, das ständig Autoreifen verbrennt und die Luft verpestet. Hier wird der Leser an der langen Leine spazieren geführt und stellt fest, dass in einem anderen Licht besehen, vieles ganz anders aussehen kann. Ist Linda vielleicht nicht nur das nette, pferdeverrückte Naturkind?

Der Plan, dort eine Windkraftanlage zu bauen, bringt schon im Vorfeld frischen Wind ins Dorf. Manch einer sieht darin Chancen, während es anderen gar nicht passt. Die Idylle ist dahin. Da verschieben sich Allianzen auf wundersame Weise, bis es nahezu irrwitzig wird.

„Was den Menschen vom Tier unterschied war die Fähigkeit, im Angesicht der Katastrophe, „Siehste!“ zu denken.“

„Unterleuten“ ist eine köstliche Satire auf vermeintliche Dorfidylle mit einer guten Portion post-DDR-Charme und skurrilen Typen, die alle zwei Seiten haben. Es gibt Rührendes, Überraschendes und auch Bedrohliches, über das man sich amüsiert, manchmal auch wundert.
Ich hatte großen Spaß.

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8 von 8 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

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