Unterleuten

  • von Juli Zeh
  • Sprecher: Helene Grass
  • 18 Std. 9 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

"Die Geschichte ist wie ein Kaleidoskop. Man dreht ein wenig, und alles sieht anders aus." Juli Zeh

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen.
Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Kein Wunder, dass schon wenige Tage später im Dorf die Hölle los ist...

Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der hochspannend wie ein Thriller ist. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

weiterlesen

Beschreibung von Audible

Windkraft? Ja, immer und gerne! Aber bitte nicht hier in Unterleuten!Erfolgsautorin Juli Zeh nimmt die Menschen und Verhältnisse in "Unterleuten", einem kleinen brandenburgischen Dorf, genau unter die Lupe.
Was sie denken, wie sie fühlen, welche Feindschaften und Gesinnungen sie pflegen - und welche Abgründe und Lächerlichkeiten sich bei jedem Einzelnen auftun: Das ist großer Erzählstoff, stellvertretend für eine Gesellschaft, in der es immer schwieriger ist, eine eindeutige moralische Position zu verteidigen. Vor allem, wenn der Klassenfeind und Gegner eigentlich zu den Guten gehört, zumindest energiewirtschaftlich betrachtet. Ausgerechnet ein Windkraftwerk, das Investoren in direkter Nähe zur Dorfidylle errichten wollen, entfacht neuen Zündstoff innerhalb der ohnehin schon labilen Dorfgemeinschaft.
Wie Sprecherin Helene Grass im ungekürzten Hörbuch "Unterleuten" von Juli Zeh jede einzelne Figur seziert und dabei gleichzeitig alle Handlungsfäden zusammenhält, ist ein Kunststück für sich. Jeder aus "Unterleuten" könnte unser eigener Nachbar sein. Aber wann hat man sonst Gelegenheit, genüsslich dabei zu lauschen, wie er seine nicht immer guten Motive und Charaktereigenschaften preisgibt?

weiterlesen

Das könnte Ihnen auch gefallen:

Hörerrezensionen

Hilfreichste

Fesselnder Gesellschaftsroman

Juli Zehs neustes Buch „Unterleuten“ zeigt viele Facetten des Lebens in einem kleinen Dorf, das sich sogar Neuankömmlingen nicht lange als verschworene Gemeinschaft zeigt. Der Luchterhand Verlag bewirbt es als „großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit“, mit der Frage „Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses?“ Diese Beschreibung ist sehr treffend und beschreibt doch nur einen Teil des sehr facettenreichen Romans.

Unterleuten ist ein sehr spezielles Dorf, das irgendwo in Brandenburg liegt und dessen knapp 100 Einwohner seit Jahrzehnten versuchen den Widrigkeiten der Politik und der Wirtschaft zu trotzen. Es gibt alte und nie vergessene Feindschaften, die einen tiefen Graben durch das Dorf ziehen und denen sich auch die so idealistischen wie arroganten Neuankömmlinge aus Berlin nicht entziehen können. Mit jedem neuen Kapitel wechselt auch die Perspektive, sodass jede der Hauptfiguren immer wieder selbst zu Wort kommt, die Leser oft mehr wissen als die meisten Figuren und die Handlung schnell an Tiefe gewinnt, vor allem wenn die gleiche Szene aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Jedem Kapitel vorangestellt ist ein Zitat der jetzt zu Wort kommenden Figur, eine originelle Idee.

Schnell wird klar, dass schon lange kaum jemand wirklich glücklich ist in Unterleuten und als dann auch noch ein fremder Investor aus dem Westen quasi auf der Durchreise Land erwirbt, auf dem er einen Windpark errichten möchte, brechen schwelende Wunden wieder auf und es bilden sich deutlich sichtbare Fronten, hinter denen lieber über die Anderen geredet wird statt mit ihnen. Es dauerte nicht lange, bis ich gefesselt war von der Handlung und den Figuren, Juli Zehs Gabe, Menschen zu beobachten und knapp die treffenden Worte zu finden, ohne je in Klischees abzugleiten.

„Unterleuten“ ist ein böses Buch, dessen Figuren alle scharfe Ecken und Kanten haben, von denen manche einem zum Ende hin fast ans Herz gewachsen sind, weil man ihre Motive verstehen kann, ihre Hoffnungen und allzu oft enttäuschten Träume. Andere bleiben eher fremd, jedoch nie blass - wie im wirklichen Leben. Eine der zentralen Figuren namens Krohn beschreibt sich selbst als ein Mensch, im dem mehrere Krohns unterschiedlichen Alters wohnen und ihre entsprechend unterschiedlichen Meinungen vertreten. Zahlreiche mehr oder minder gut versteckte Seitenhiebe auf aktuelle „Werte“ und Modeerscheinungen ließen mich mal Schmunzeln, mal das Lachen im Halse steckenbleiben.

Helene Grass war mir bisher als Sprecherin kein Begriff. Sie versteht es geschickt, die unterschiedlichsten Stimmungen und Figuren zu transportieren und gab mir oft das Gefühl, den Figuren selbst zuzuhören.

Juli Zeh ist in „Unterleuten“ gelungen, ein Buch über das „wahre Leben“ zu schreiben, ihre Figuren sind wie echte Menschen, die viel erlebt haben, das sie mit ihren Nachbarn verbindet oder dauerhaft von ihnen trennt. Ein Buch über den Wertewandel unserer Gesellschaft und den Umgang damit, das nachdenklich macht und gleichzeitig spannender als viele Krimis ist, bis hin zum so überraschenden wie passenden Ende.
Lesen Sie weiter...

- Buechereule2

Mit viel Empathie für Brandenburger Dorfleben

Wer weiß schon warum die Menschen so geworden sind? Warum versteht der Professor aus Berlin West den alten Ostbauern nicht. Und warum hat auch für charmante Machertypen die Macht ihre Grenzen in Zufall oder Schicksal? Julie Zeh erzählt die Geschichten hinter den Menschen.
Mehr Empathie geht kaum. Julie Zeh schwingt den Hammer in ruhiger Gleichmäßigkeit und trifft jeden Nagel auf den Kopf. Besser kann man die Geschichte eines ostdeutschen Dorfes in Brandenburg von der DDR bis heute, mehr als 25 Jahre nach der Wende, kaum erzählen.
Für einen Ostberliner wie mich, der vor der Wende seine erste große Liebe im Landkreis Barnim fand, wo früher Erichs Staatsjagdgebiet lag und heute der Nabu regiert, ist dieses Buch ein lebendiges Stück Heimat.
"DAS hätte ich einer Zugezogenen nicht zugetraut", hör ich manchen murmeln, aber irgendwie hat sie uns doch verstanden und auch die Neuen, die jetzt ins Umland ziehen...

Da hat uns jemand ins Herz und hinter die Stirn geschaut. Tausend Dank für diese Geschichte - sie ist so bunt wie manche meiner Erinnerungen, ehrlich und wahr.
Lesen Sie weiter...

- Uwe Tilgner

Weitere Infos zum Hörbuch

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2016
  • Verlag: Der Hörverlag