Der ewige Krieg

  • von Joe Haldeman
  • Sprecher: Richard Barenberg
  • 8 Std. 58 Min.
  • ungekürztes Hörbuch

Beschreibung

Heute Abend zeigen wir Ihnen acht Methoden des lautlosen Tötens.

Es herrscht Krieg. In gigantischen Raumschiffen werden die Soldaten mit Lichtgeschwindigkeit von einem Gefecht zum anderen befördert. Doch während diese Gefechte für sie nur einige Monate dauern, vergehen auf der Erde Jahrhunderte und bei ihrer Rückkehr in die Heimat stoßen sie auf eine völlig fremde Welt...

Einer der berührendsten Antikriegsromane, die je geschrieben wurden - Joe Haldeman zeigt uns, wie Krieg jegliche Logik ad absurdum führt.

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Hörerrezensionen

Hilfreichste

Tragikomisches Antikriegs-Meisterwerk (1972-75)

Ich habe mich köstlich amüsiert - man beachte die Hörprobe! - obwohl ich das Buch (aus Papier) bereits gelesen hatte, doch für die Rezension habe ich meine Erinnerung auffrischen müssen. Leider klingt der Titel sehr martialisch (Mars = Gott des Krieges), doch ist dies nur die halbe Wahrheit. Die andere bildet eine "Future History", eine Beschreibung der Entwicklung der Menschheit über Jahrhunderte hinweg - auch beeinflusst durch die Kriegswirtschaft - denn der Protagonist und Ich-Erzähler William Mandella "überspringt" in seinen wenigen Kriegseinsätzen große Zeiträume der Menschheitsentwicklung, was ich genauer erläutern möchte, um das Verständnis des Buches zu erleichtern:
Überlichtschnelles Reisen existiert nämlich nur mittels Sprüngen zwischen "Kollapsaren", worunter man sich Schwarze Löcher vorstellen sollte, sozusagen natürliche Sprungtore oder -linsen. Beim Sprung selber vergeht keine nennenswerte Zeit, doch da Kollapsare selten sind und sich meist Lichtjahre von den Start- und Zielgebieten der Einsätze entfernt befinden, muss ein Raumschiff zunächst auf Beinahe-Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, um erstens den Kollapsar schnellstmöglich und aus der richtigen Richtung zu erreichen, und zweitens vergeht bei solch hohen Geschwindigkeiten die Zeit für die Soldaten subjektiv erheblich langsamer. Und nach dem Sprung das Ganze umgekehrt. Außerdem springt man nicht direkt zum Einsatzort, sondern auf einem Umweg, um dem Feind nicht die Position seines Heimatplaneten zu verraten. Bei einer solchen Zwischenstation muss nach Eintreffen abgebremst und gewendet werden, was trotz hoher Beschleunigung ähnlich lange dauert.
(Die "Zeitdilatation" gilt derzeit als wissenschaftlich gesichert, ich selber bin aber wegen des Zwillings-Paradoxons von dieser Theorie abgefallen. Ich halte es für den Wunschtraum romantischer Wissenschaftler, man könne jeden Ort im Universum lebend erreichen, wenn man nur ausreichend beschleunigt und sich keine Gedanken um eine Rückkehr macht.)

William ist wie all seine Kameraden hochintelligent, darum ausgewählt und zwangsrekrutiert worden, um die Menschheit am Aldebaran zu verteidigen(?). Da dieser im Sternbild Taurus liegt, nennt man die Feinde, die anfangs noch niemand leibhaftig gesehen hat, der Einfachheit halber Taurier. William gehört zu den Ersten, die einen Taurier sehen werden, und zu den wenigen Glücklichen, die den Krieg auch komplett (üb)erleben.
In der englischen Fassung beginnt die Handlung im Jahr 1997, also rund 20 Jahre nach dem Erscheinungsdatum, die Herausgeber der deutschen Fassung haben großzügig 300 Jahre draufgelegt und damit doch reichlich übertrieben. (Davon abgesehen handelt es sich hier aber um die Originalfassung, in den USA wurden zunächst abweichende Fassungen veröffentlicht.) Mir ist beim Hören aufgefallen, wie wenig die Welt sich anfangs von der unsrigen unterscheidet, ich habe das Anfangsdatum darauf zurückgeführt, dass sich die Menschheit der Kollapsare bedienen musste, um die Gegend zu erkunden, bevor sie auf den Feind treffen konnte, und es existieren zunächst noch Zeitungen aus Papier, und sogar mit Stellenanzeigen!
Die Menschheit lebt anfangs in sexueller Freiheit in bester 68er-Tradition (was nicht nach Jederfrau's Geschmack sein dürfte). Moderne Computer und das Internet haben jegliche Science Fiction überholt, und es ist mal amüsant, mal erschreckend festzustellen, in welchen Bereichen dies ebenso der Fall ist. Werden sich auch die späteren Entwicklungen irgendwann realisieren?
Die gesellschaftlichen Normen bezüglich Sexualität bilden eines der (amüsanteren) Grundthemen des Romans, da William damit später auch während seiner Missionen konfrontiert wird, die Erde selbst jedoch nur während kurzer Phasen besucht. Zu Beginn unterhalten die jungen, akademisch vorgebildeten Soldaten und Soldatinnen, die einander auch erst seit kurzem kennen, noch keine festen Beziehungen. Sie sind auch nach körperlicher Fitness ausgewählt worden, also nicht unattraktiv, und haben daher kein Problem damit, dass ihnen wechselnde Bettgenossen zugeteilt werden, auf rein heterosexueller Basis zunächst. Bei den meist relativ kurzen Kämpfen sterben die meisten weg und werden durch neue ersetzt, die aus späteren Generationen stammen, woraus sich kulturelle Konflikte ergeben. Zudem geht das soziale Umfeld verloren, und wer auf der einen monatelangen Mission eine feste Beziehung aufbaut, muss schon froh sein, nicht bei der nächsten auf ewig vom Partner getrennt zu werden, Überleben vorausgesetzt. William's Liebesleben wird dabei arg strapaziert.
(Geschlechtskrankheiten werden im Roman nie erwähnt, vermutlich wurden sie ausgerottet, was technisch gesehen auch heute schon ein Kinderspiel wäre.)
Über die Kriegshandlungen will ich nicht viel verraten, auch William gibt später als Offizier nicht viel an den Leser weiter. Schließlich sind auch die Kriegsstrategen beider Seiten niemals ganz auf dem Laufenden, sie warten Informationen über den Gegner ab und nutzen die Jahrzehnte und Jahrhunderte dazwischen zur Aufrüstung und Weiterentwicklung von Waffensystemen, medizinischer Versorgung, Ausbildungsmethoden und vielem anderen. William erhält eine Ausbildung knapp über dem absoluten Nullpunkt, erlebt einige Kampfeinsätze, verschläft andere als Schwerverletzter, kehrt zwischenzeitlich heim, um sich als Zivilist zu versuchen, verliebt sich und muss Verluste verarbeiten.
Der Vorleser macht seine Sache sehr ordentlich, wenn auch nicht so lebhaft wie beim "Marsianer", außerdem hat er noch Defizite, direkte Rede rhetorisch korrekt zu betonen, darum ein Stern Abzug. In "Das Schiff" hat er das schon besser gemacht.

"Der Ewige Krieg" (The Forever War) ist einer der bedeutendsten SF-Klassiker, gewann 1976 alle drei großen amerikanischen SF-Preise: Hugo, Nebula und Locus. 1997 belegte er bei der Internet-Abstimmung (Locus) zum besten SF-Roman aller Zeiten (vor 1990)¹ den 12. Platz und wurde in der darauf basierenden Reihe "Meisterwerke der Science Fiction"² als Band 6 neu aufgelegt. Ebenso kürzlich in der nur 5 Bände umfassenden Edition "Bücher, die Zukunft machen"³, der er auch das (derzeitige) gelb-schwarz-weiße Hörbuch-Cover verdankt.
Gut 20 Jahre nach dem Roman schrieb Haldeman noch die "Fortsetzungen" Forever Peace (Der ewige Friede) und Forever free (Am Ende des Krieges). Ersterer gewann ebenfalls drei große SF-Preise, Hugo, Nebula und Campbell, er ist auf Englisch auch bei Audible erhältlich.

Technisches: Das Hörbuch ist in 80 Kapitel von durchschnittlich knapp 7 Minuten Länge aufgeteilt. Falls man es auf 7 CDs bekommen will, ist die Einteilung etwas unglücklich, man muss mindestens eine Schnittstelle selber suchen.
Die Buchkapitel werden nicht angesagt, sie beginnen bei folgenden Hörbuchkapiteln: Teil 1 alle außer 5, 10, 12, 16, 18, 21, 23 und 24; danach 25 bis 28, 30, 33, 34, 36, 40, 43, 46; 48, 50; 53, 56, 59, 62, 66, 68, 75, 77 und 80.

HÖRBUCH-TIPS (bitte auch in meinen anderen Rezensionen stöbern):
Eine vergleichbare Langzeit-Handlung findet man auch in Peter F. Hamilton's Alternativwelt-Kriminalerzählung "Watching Trees grow" (Den Bäumen beim Wachsen zusehen), die auf Englisch bei Audible erhältlich ist, einzeln oder in einer Sammlung enthalten. Sie existiert auch als leicht gekürztes deutsches Hörbuch auf CDs, aber (noch) nicht bei Audible.
Ähnliche Reisephysik findet man bei Hyperion & Endymion (Audible-Bezeichnung), allerdings in Form zweier verschiedener technischer Lösungen, nämlich Teleportalen ohne Zeitdilatation, und "unechten" Hyperraumsprüngen mit Zeitdilatation.
¹ Aktuellere Werke hätten das Ergebnis verzerrt. Leider gab es eine vergleichbare Abstimmung seither nicht mehr, die ersten 53 Plätze habe ich in einer anderen Rezi aufgelistet, mit Hinweisen auf vorhandene Hörbücher.
² Diese Reihe umfasst inzwischen über 40 Bände, die ich in einer anderen Rezi aufgeführt habe, mit Hinweisen auf vorhandene Hörbücher, einziges Hörbuch im "Look" dieser Reihe ist "Replay".
³ Diese Edition umfasst neben einem Sachbuch außerdem "Metro 2033 / Metro 2034" von Dmitry Glukhovsky, und die bereits in der Meisterwerke-Reihe enthaltenen Bände "Die Neuromancer-Trilogie" von William Gibson, "Bedenke Phlebas" von Iain M. Banks und "Die linke Hand der Dunkelheit" von Ursula K. Le Guin. Außer dem letzteren sind alle bei Audible auf Englisch erhältlich; von Le Guin derzeit leider nur zehn andere Romane; Metro 2033 auch auf Deutsch.
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- Viktor

Zeitloser Klassiker des SF

Ein wirklich toller SF Roman, der trotz seines Alters nichts an Aktualität verloren hat. Hier hat man die Vorlage für viele moderne Militär-SF-Geschichten, wobei es hier um eine sehr kritische soziale Analyse moderner Militärsysteme geht. Kein dumpfes Geballer oder Hurra-Patriotismus, sondern ein kluges Hinterfragen von Prinzipien.
Und Richard Barenberg ist die perfekte Besetzung als Sprecher. Großartige Sprecherkunst.
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- lala

Weitere Infos zum Hörbuch

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2015
  • Verlag: Random House Audio, Deutschland